Eine Runde Fremdschämen

Es war geplant, um heutigen Blogeintrag etwas über die Jahreshauptversamlung meines Ortsvereins zu schreiben. Über die Rede, die Nico Tsapas gehalten hat und über die Ehrung der Jubilare – einer von ihnen ist immerhin 60 Jahr lang in der Partei. Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung hat das alles umgeworfen.

Das einzige Bindeglied zwischen dem Artikel von heute und der Veranstaltung gestern ist Nico. Um das zu erklären, muss ich wohl etwas weiter ausholen. Nicolas Tsapos ist Sohn eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter. Ich weiß nicht, ob man da schon von einen Migrationshintergrund spricht – ich finde die Bezeichnung eher sperrig und nicht unproblematisch. Nico jedenfalls ist SPD-Mitglied und wäre fast Bundestagskandidat geworden. Neun Stimmen haben ihm letztendlich nur gefehlt. Der Streit um seine Kandidatur und die von Guntram Schneider wurde leider nicht immer sachlich gerührt, aber eins, so kann rückblickend gesagt werden, stand, zumindest so wie ich es mitbekommen habe, nie zur Diskussion: der Migrationshintergrund

Darüber den Kandidaten zu diskreditieren, wäre für Sozialdemokraten beschämend – dachte ich bis heute. Dachte ich, bis ich über den Vorfall in Dortmund gelesen habe. Dort kandidiert ein Deutsch-Türke für den Stadtrat. Nicht nur, dass aus Protest gegen seine Herkunft drei Mitglieder ihr Parteibuch zurück gegeben haben. Es gab da wohl eine Szene, die zutiefst beschämend ist.

Während einer Werbetour bei Parteimitgliedern wurde der Vorsitzende des Ortsvereins im Beisein des Kandidaten von anderen Sozialdemokraten ernsthaft gefragt:

Er ist gut, aber habt ihr keinen Deutschen?
(Quelle: SZ, Nr.56 vom 9.03.2009,S. 6)

Da verschlägt es einem förmlich die Sprache. Ich denke, es ist noch viel innerparteiliche Aufklärung nötig, damit sich so was nicht wiederholt.

Kommentar verfassen