Zombies leben länger

Das neue Jahr ist noch jung, da wird schon auf den Tod eines bestimmten Browsers spekuliert. Die Rede ist, wie sollte es auch anders sein, vom Fluch aller Webentwickler, dem Internet Explorer 6. Der ist mittlerweile schon so alt, dass der Sensemann ihn wahrscheinlich schlicht vergessen hat. Um ihn wieder auf die Liste zu setzten, damit endlich in die Geschichte eingeht, wurde vor ein paar Tage erneut eine diese vermutlich vergeblichen Initiativen gestartet.

Nicht das mir das Vorhaben unsympathisch wäre. Ich fürchte nur, dass es wie so oft heisst: „Totgesagte leben länger”. Vermutlich wäre es kein Problem, den IE 6 via Update zumindest in den privaten Haushalten durch eine neue Version upzudaten. Anders sieht es aber in Firmen und Behörden aus, wo der Benutzer von ängstlichen Administratoren zur Unmündigkeit verdammt wird und deshalb mit einem alten Surfbrett im World Wide Web unterwegs ist.

Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, der nicht so offensichtlich ist. Per Zufall bin ich bei einem Kunden gestern darüber gestolpert. Auf einer nicht unwesentlich geringen Anzahl an Rechnern ist ein modifiziert Internet Explorer installiert, der nicht von einem Update betroffen wäre. Jetzt stellt sich wahrscheinlich die Frage, wie dieser IE auf den Rechner gekommen ist. Die Antwort ist ziemlich banal: über die Installations-CD des Zugangsproviders.

So gibt es zum Beispiel auf den älteren T-Online CDs einen angepassten IE6 der beim aufspielen der Software mit installiert wird. Einmal auf dem Rechner, bleibt er auch dort – zumindest bei den technisch nicht ganz so versierten Nutzern. Diese Menschen nutzen die IE6, weil sie es einfach nicht besser wissen und können. Sich nur den IE6 weg wünschen, ist nur ein Teil der Miete. Der andere Teile besteht in Aufklärung und Unterstützung, wobei man dann auch nicht alle erreichen wird.

So wie es also aussieht, müssen wir uns noch etwas gedulden, bevor es tatsächlich keinen IE6 mehr gibt. In der Zwischenzeit heisst es dann wohl abwarten und Tee trinken.

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