Hirn kostet extra

Eigentlich ist es unverständlich, warum sich manche Menschen über die Jugend von heute aufregen. Die sei, so ist zu hören, egoistisch und rücksichtslos. Wer des öfteren mit öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs ist und von zu lauten MP3-Playern bedrängt wird oder sich an dreckigen Schuhen auf Sitzen stört, könnte auch auf die Idee kommen, die Jugend zu bezichtigen.

Dabei imitieren die jungen Menschen nur die Älteren. Lautes telefonieren im Ruheabteil, aufdringliche Sitznachbarn im ICE, dass ist nur die Sedimentschicht. An der Spitze des Eisberges befinden sich so Gestalten wie Joseph Ratzinger (alias der Pabst) und der so genannten Bahnchef Helmut Mehdorn.

Beide stehen nicht im Verdacht, die Diplomatie erfunden zu haben. Was soll ein junger Mensch den für eine Moralvorstellung entwickeln, wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Holocaustleugner verhätschelt? Welches Weltbild entsteht, wenn Mehdorn Mitarbeiter im großen Stil ausspionieren, ja sogar ihre Telefonate überwachen lässt, ohne dafür die Konsequenzen tragen zu müssen, weil die CDU an ihm weiterhin aus wahltaktischen Gründen festhält?

Wie heißt es so schön: wir ernten, was wir sähen. Insofern bekommt jedes Land genau die Jugend, die es verdient. Würden die beiden oben genannten Herren irgendwo Anstand kaufen wollen, wäre die Frage: „Darf es etwas mehr sein?” durchaus berechtigt.

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