Der digitale Graben

Gestern Morgen, auf dem Weg zur U-Bahn in Essen, dachte ich über die Möglichkeiten nach, die Twitter bietet. Gerade in Bezug auf die anstehenden Wahlkämpfe lässt sich sich einiges machen. Im Kopf war ich gerade bei den Strategien für den Kommunalwahlkampf, als ich im U-Bahntunnel an einem der Arbeiter vorbeiging, der gerade Bodenplatten verlegte.

Schlagartig wurde mir bewusst, wie weit meine Gedankenspiel von der Realität dieses Mannes entfernt ist. Der twittert nicht und wird auch wohl kaum morgens seine RSS-Feeds lesen, bevor er seinen täglichen Blogeintrag verfasst.

Tweets erreichen nur eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen: die Digital Inhabitants
Eine nicht gerade kleiner Teil der Wählerinnen und Wählerinnen gehört nicht zu dieser Gruppe. Zwar dürften sie wohl auch in überwiegender Mehrheit in der einen oder anderen Weise Zugang zum Internet haben, aber eine Dauernutzung bleibt ihnen versperrt – sei es auf Grund ihres Alters, ihrer Bildung oder ihres Berufes.

Diese Menschen kann man also nicht über Twitter erreichen. Was bedeutet dies für den Wahlkampf? Auf Twitter verzichten? Sicher nicht. Aber man sollte sich bewusst sein, wer über Twitter erreicht werden kann und wer nicht. Die Strategie im Wahlkampf sollte sein, Tweets als Multiplikator zu begreifen. Über Twitter lassen sich auf allen Ebenen Unterstüzer und Organisatoren vernetzen, denen es aber obliegt, die Information weiter zutragen – auch ausserhalb des Netzes. Twitter kann die traditionelle Arbeit „auf der Straße”, die Infostände in den Fußgängerzonen ergänzen, nicht aber ersetzen.

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