Atomkater

Atomkater

Das Thema Computerspiele und Gewalt ist ein weites Feld. Ebenso trefflich wie Moral in Computerspielen. Man muss nicht unbedingt Öl ins Feuer gießen und es läge mir, als Selber-Spieler auch fern, das Fegefeuer der Verdammnis mit Brennmaterial zu versorgen. Trotz allem gibt es jedoch Spiele, die mich zum grübeln bringen.

Fallout 3 ist so eins. Am Spiel selber gibt es, abgesehen von den Bugs und der mal wieder geschnittenen deutschen Version (ungeschnitten spielen will, aber auf die deutsche Sprachausgabe nicht verzichten möchte, sollte sich das Spiel im deutschsprachigen Ausland bestellen) nichts auszusetzen. Genretypisch dauert es etwa 10 Spielstunden, bis man sich warmgespielt und mit dem Setting angefreundet hat. Die Hauptstory ist zwar da, aber dank vieler Sidequest kann man die Zeit im Spiel auch mit anderen Dingen verbringen.

Eine dieser Sidequest führt dabei zu einem moralischen Dilemma. In einer Ansiedlung, über die die Spielfigur relativ am Anfang stolpert, befindet sich ein Blindgänger, eine nicht explodierte Atombombe. Für diese bekommt man von einem zwielichten Mittelsmann einen Zünder zum einbauen. Anschließend soll man ihn wieder in sicherer Entfernung aufsuchen. Für eine lohnenswerte Belohnung, wenn man das so sagen darf, äschert die Spielfigur höchstpersönlich Megaton ein. Eine riesige Atompilzwolke erscheint am Horizont. Bei einem erneuten Besuch in den verstrahlten Überresten trifft man auf eine Überlebende, deren Fleisch vom Gesicht geschmolzen ist.

Natürlich ist das ganze nur ein „Spiel” „ mir ging das jedoch etwas an die Nieren. Das Bild von der Überlebenden werde ich wohl nicht so schnell aus dem Kopf bekommen. Allerdings, das sollte ich (Achtung, Spoiler!) auch erwähnen, erfreut sich meine Spielfigur jetzt an einer vorzüglichen Penthouse Suite.

3 Replies to “Atomkater”

  1. Ich könnte da noch viele weitere Spiele aufzählen, wo Moral lediglich im kleingedruckten der Spieleverpackung zu finden ist.

    Wenn es danach geht, gehören diese Ballerspiele verboten. Fakt ist aber: Es sind Spiele und als solche sollte man sie auch betrachten. Wenn man moralische Bedenken hat, sollte man sie nicht spielen.

    Wichtig dabei ist nur, Realität nicht mit Fiktion zu verwechseln. Bei pisageschädigten Jugendlichen habe ich da so meine Zweifel.

  2. Ging mir jüngst mit – man höre und staune – ausgerechnet WoW so.

    Quests, in denen man foltern soll, sind mehr als grenzwertig – und wenns tausendmal nur ein Tastenklick ohne entsprechende visuelle Animation ist.

    Richtig derbe fand ich eine der Todesritter-Quests:
    gemeinhin kämpft man ja gegen NPCs, die zumindest ansatzweise sowas wie eine Chance gegen einen haben.
    In jener speziellen Quest hingegen sollte man Zivilisten töten….
    NPCs, in der Kleidung gewöhnlichen Bauernvolkes, die – kaum da sie einen entdeckten – sich angstvoll krümmten, wimmerten und um Gnade flehten.

    Ekelhaft. :-(

    (Zugegeben…erledigt habe ich die Quest ebenfalls..aber mit verzogenem Mund.
    In den WoW-Foren kloppen sich Spieler bereits seitenlang darum, ob so etwas grenzwertig, abartig, unter aller Sau oder aber es pure Anstellerei ist, sich wegen „ein paar Pixeln“ so aufzuregen..)

  3. Wenn es so ekelhaft ist, warum wird es dann gespielt?

    Ganz einfach, weil der Reiz viel zu groß ist, am PC reihenweise Leute zu killen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben oder dafür bestraft zu werden. Die Spiele sind ein Spiegel der Realität.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren