Von schwarzen Beeren und bunten Äpfeln

Von schwarzen Beeren und bunten Äpfeln

ir könntem an dieser Stelle auf den morgigen Tag schauen und unkritische Lieder anstimmen. Aber natürlich machen wir das nicht, denn wir Wissen, das nicht alles schlecht war in der alten Bundesrepublik – oder so ähnlich. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern eine Vielfalt dazwischen.

Dabei ist Vielfalt genau unser Stichwort. Vielfalt kennen die meisten vor allem in der Form einer großen Auswahl im Supermarkt, wobei dass nicht immer positiv sein muss. Ein zu viel kann verwirren. Zum Beisteil dann, wenn im Regal mit den Gewürzen nicht nur ein schwarzer Pfeffer zu finden ist, sondern sich aufteilt auf vier verschiedene Hersteller. Alles Pfeffer, aber welcher ist nun der richtige? Anders gefragt: Gibt es überhaupt den richtigen?

Wie wir sehen, wird Vielfalt schnell anstrengend. Vor allem dann, wenn man solche existenziellen Entscheidung nach Feierabend unter Zeitdruck im Supermarkt treffen muss. Wechseln wir vom Pfeffer zum Salz. Auch da gibt es eine riesige Auswahl. Nun ist aber Salz nicht gleich Salz. Wer in der Küche Steinsalz aus der Mühle, Fleur de Sel oder gar Salz aus dem Himalaja verwendet, bringt eine ganz bestimmte Einstellung zum Ausdruck und grenzt sich damit ab.

Abgrenzung ist der Segen der Vielfalt. Wenn es nur, sagen wir mal, einen Handyhersteller gibt, der das „Volkshandy“ VMT 100x produziert, dann hat man als Käufer keine Wahl. Jeder hat das gleiche Handy, ob es einem passt oder nicht. Die einzige Wahl wäre dann hier, kein mobiles Telefon zu besitzen.

Zum Glück sieht es anders aus. Es gibt einige Hersteller und ein breites Spektrum an Modellen. Da sollte für jeden das passende dabei sein. Genau hier. greift dann aber wieder der Fluch der Vielfalt, denn nicht jeder weiß, was das zu ihm passende Handy ist.

Werden wir etwas konkreter und nehmen uns als Beispiel das iPhone. Das Gerät bietet eine Menge Funktionen, lässt sich zudem intuitiv bedienen und sieht auch noch gut aus. Man wäre angesichts dieser Tatsachen zu behaupten geneigt, es wäre das mobile Telefon für die breite Masse. Ist es das? Zum Glück nicht, denn das iPhone hat auch etwas exklusives, quasi ein Statussymbol. Dies wäre es aber nicht mehr, wenn es jeder hätte. Auch soll es ja Menschen geben, die mit dem iPhone überfordert sind (oder mich die Funktionen benötigen, sondern einfach nur telefonieren wollen).

Nehmen wir ein anderes Gerät, welches dich in einigen Punkten mit dem iPhone vergleichen lässt: Blackberry Handys. Mehrzahl? Ja, denn es gibt eine Vielzahl von Modellen. Gemeinsam ist ihnen die Puschfunktion für eMails. Gut, das beherrscht das iPhone mittlerweile auch, aber ein Blackberry bringt ein anderes Verständnis von Kommunikation zum Ausdruck. Im Vordergrund steht nicht die Ästhetik, sondern das Nützliche. Am wohlsten fühlt sich so ein Blackberry in den Händen von umtriebigen Geschäftsleuten oder Büroabhängigen. Und da sind wieder beim springenden Punkt. Ein Blackberry ist kein Telefon für jeden. Trotz der anfänglichen Behauptung lässt sich natürlich nicht mit einem iPhone vergleichen – es verhält sich hier wie Äpfel zu Beeren.

So sieht dann nicht nur die Tarifstruktur bei T-Mobile ganz anders aus.Aus diesem Grund würde dann auch niemand, der sich mit dem iPhone für ein gewisses Lebensgefühl, wenn man das mal so nennen darf, entschieden hat, ein Blackberry zulegen. Oder doch? Für mich wäre es wie ein Wechsel von Mac OS X zu, sagen wir mal, Windows 3.1.

Wobei das jetzt angesichts meiner Unkenntnis gehässig ist. So ein Blackberry spielt bestimmt auch MP3s und Videos ab und lässt sich nahtlos mit dem Computer synchronisieren – ganz bestimmt auch mit Mac OS X.

Übrig bleibt als Fazit, dass es eben Unterschiede gibt. Bei Pfeffer und Salz ebenso wie bei den Menschen und ihren Bedürfnisse. Somit gibt es dann für jeden das passende Handy. Und ähnlich wie bei Schuhen passen manche Verträge, andere sind zu groß und wieder andere drücken so, dass man sich Blasen läuft.

4 Replies to “Von schwarzen Beeren und bunten Äpfeln”

  1. Die Tendenz zur Individualisierung von Produkten ist ja ein ziemlich offensichtlicher Trend: Mein Handy ist mein Handy, weil mein Leben mein Leben ist und mein Handy bestens zu meinem Leben passt… wir wollen (fast?) alle schließlich etwas mehr sein als der Tropfen Wasser im Meer wuselnden Lebens… deswegen macht es ja mittlerweile auch oftmals nicht einfach nur „Ring Ring“, wenn irgendwo in der Straßenbahn jemand angerufen wird; da singt dann Celine Dion, gröhlt Sid Vicious, trällert LaFee…

    Und manchmal… manchmal gibt es auch den Gegentrend, weil es einigen Leuten zuviel wird, wenn sie selbst bei der Margarine auswählen müssen, ob sie nun besser die mit a) Olivenöl, b) die halbfette oder c) die mit Joghurt nehmen.

    „Wir haben nur ein Produkt, es ist gut… nimm es oder lass es!“ Auch so etwas kann bisweilen Erfolgsstrategie werden! Manchmal ist das Leben kompliziert!

    Ne leeve jrooß ;-)

  2. Alles schön und gut. Nur leider ist es inzwischen so, das sich die Verbraucher eine Identität kaufen, anstatt eine zu leben. Ich kaufe mir ein Lebensgefühl, eine Aura, einen Status, anstatt durch mein Leben, meine Lebensweise etwas zu sein.

    „Ich definiere mich über meinen Besitz!“ schreits aus allen Ecken der Hemisphäre.

    Da wären wir beim Unterschied zwischen haben und sein…

  3. Natürlich hast du Recht; Cozmic. Individualisierte Produkte können Individualität nicht stiften, höchstens unterstützen. Was und wer ich wirklich bin, das kann ich nur außerhalb der neonfarbenen Produktewelt herausfinden, indem ich… einfach lebe, mit Freunden Dinge unternehme, in mich hineinhorche, ob da vielleicht… ein kleiner Maler steckt, ein Spaziergänger, ein Musiker, was ICH wirklich fühle, denke… auch, wenn es abseits dessen ist, was viele Andere fühlen und denken.

    Ich persönlich finde Werbung und Produktewelten aber spannend, weil ich glaube, sie sind Indikatoren für gesellschaftliche Trends. Werbetreibende müssen wissen, welche Bedürfnisse viele Menschen aktuell entwickeln, um darauf zu reagieren. Sie sind also so etwas wie egoistische, sehr praktisch denkende Soziologen… und manchmal vielleicht näher dran am aktuellen Geschehen, an aktuellen Tendenzen im menschlichen Miteinander als die heilige Wissenschaft.

    Ne leeve jrooß vom

    Ansja

  4. Wenns den Charakter unterstützt, oder das sein das haben nach sich zieht, der Output also den Input rechtfertigt, ist ja auch nix dagegen einzuwenden.

    Wenns ungekehrt ist, und dahin kippt ja unsere Gesellschaft gerade, dann finde ich es bedenklich.

    Da hilft auch die Begeisterung für gutes Produktplacement nix.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren