Spiegelfrei

Spiegelfrei

Nach einer Woche scheint es so, als ob ich mich einigermaßen erholt hätte, vom Schock. Was ist passiert? Nun, ich hätte morgens meine Süddeutsche Zeitung zu Hause vergessen und mir vor lauter Verzweiflung den Spiegel gekauft.

Nach dem lesen der ersten so genannten Artikel wurde mir klar, dass das ein Fehler war. Der Spiegel ist nicht nur vom Format her sehr flach – leider muß man sagen. Bis zum Ende der 90er Jahre hatte ich den Spiegel noch regelmäßig als Ergänzung zur SZ gelesen.

Und dann, eines Tages, hat der Spiegel den Fokus verändert (oder war es andersherum?). Die Artikel hatten längst nicht mehr die gewohnte Tiefe. Mehrere Wäschekörbe gesammelter Exemplare gingen ins Altpapiere.

Seit damals hatte ich mir den Spiegel nicht mehr gekauft, allenfalls beim Arzt oder Friseur (dort macht er sich gut zwischen Bunte und stern) gelesen.

6 Replies to “Spiegelfrei”

  1. der spiegel hat eindeutig nachgelassen. aber echte alternativen im wochen-magazin-markt gibt es auch nicht. der focus ist eine bravo für erwachsene und der stern ist irgendwann einfach stecken geblieben und kommt nicht mehr aus dem pott.

  2. Man passt sich nur dem intellektuellen Niveau der Masse an. Diese seichte Grütze sollte man liegen lassen, denn sie ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt ist.

  3. ist leider so, das sogar das geschriebene Wort „Doof“ macht, ich hab früher auch immer den Spiegel gelesen, er hat möglicherweise manchmal auch gute Artikel, aber immer öfter kommt es vor das er irgendwelchen mist veröffentlicht, oder 2.Weltkriegs themen wieder aufrollt.
    Muss echt nicht sein … schade ums papier

  4. Karneval anno dazumal

    Die beliebten Kneipen sind in unserer kleinen Stadt am Rosenmontag meist überfüllt.
    Also wurde dort ein Türsteher hingestellt: 50 raus, wenn genügend Luft ist so um die 50 wieder rein.
    Ich weiss nicht, ob der gerade Pause machte, was ich sicher weiss, dass ich zu denen gehörte, die auf Einlass warteten – mittendrin in der Horde.
    Jedenfalls gab’s einen Ansturm, den ich nie vergessen werde.
    Die Menschen drängelten von hinten nach – könnte ja gleich wieder Pause mit dem Einlass sein und sie müssten draussen warten.
    Wie eine Viehherde, die zum Schlachthof gejagt wird – an Entkommen nicht zu denken. Gedrängel, Geschubse dicht an dicht, soweit noch o.k. – wer sein Hütchen oder sonstwas verlor, hatte keine Chance, es aufzuheben.
    Dann fiel jemand um. Zunächst fiel er nicht auf den Boden – ging ja erstmal nicht, dann schon.
    Fiel um und wurde überrannt. JA!!! Den Menschen war das egal. Die sind tatsächlich über den Typen drauf- und weggetreten.
    Lautes Halt, Stopp, Hilfe – nicht zu überhören störte nicht. Kann mir keiner sagen, es hätte an der Lautstärke oder am Alkohol gelegen! Zumindest!!! nicht die, die direkt dahinter standen und auch nicht die dahinter!

    Und dabei ging es doch nur um Karneval!

    Das ist bestimmt 10 Jahre her. Es fiel mir ganz spontan dazu ein, warum es wichtig ist, immer und immer wieder über den 2. Weltkrieg zu informieren.

    Nicht ein einziges Blatt ist dafür zu schade!
    Menschen sind zu vielem fähig. Das hat uns die Geschichte gelehrt.
    Das Problem dürfte sein, dass das als Geschichtsunterricht – läängst vergangen und ‚heutzutage;-))‘ nicht mehr für möglich gehalten wird.

  5. @Froillein: Im Prinzip hast du recht. Das Yproblem
    ist aber, dass durch dauernde Wiederholung die Gefahr einer Überimpfung besteht. Wenn man einem Kund immer und immer wieder sagt, es soll nicht bei Rot über die Ampel gehen, wird es genau das eines Tages tun – und dann möglicherweise vom Auto überfahren werden. Warum? Weildie immer gleiche, monotone Warnung zu einem einschläfernden Mantra geworden ist. Es bedarf eines großen pädagogischen Geschicks, dass dies nicht passiert.

    Um wieder auf den Spiegel zu kommen: Übel ist auf der anderen Seite auch, wenn man das Thema immer wieder mal aus dem Hut zaubert, um die Auflage zu steigern.

  6. Sicher gibts Kinder, die Mantra-resistent sind. Glaube aber nicht, dass am Mantra liegt.
    Das pädagogische Geschick spielt natürlich eine grosse Rolle.
    Nehmen wir in jüngeren Jahren lieber die nicht ganz so heisse Herdplatte als Beispiel (unter Aufsicht bewusst von den Eltern angelassen – wie gemein…).
    (Bis zum Alleingang im Strassenverkehr muss das mit der Ampel eben schon funktionieren…)
    Fasst das Kind trotzdem drauf, wird es sich ‚etwas‘ verbrennen und lernen, das bestimmte Regeln, aufgestellt von Vertrauenspersonen, auch ohne Infragestellung, bzw. ‚Selber-Prüfen‘ übernommen werden können.
    Gleichzeitig wird es feststellen, dass die kleine Wunde wieder heilt – später aber daraus folgern, dass die Herdplatte nicht ohne Topf drauf angeschaltet sein sollte und das man darauf selber achten muss.
    Wahrscheinlich wird es noch im hohen Alter immer darauf achten, dass die Platten ausgeschaltet sind.

    Anders bei den nicht-resistenten Kindern, denen das Mantra mit schrecklichen Konsequenzen eingeprügelt wird und sie es daher befolgen.
    Die wissen dann nicht, das man auf die Herdplatte achten muss – wohl aber, dass sie da nicht drauffassen dürfen, wenn sie heiss ist.
    In der Folge verbrennen sie sich dann andauernd ‚aus Versehen‘, wenn z.B. vorher jemand anders gekocht hatte und sie der Meinung waren, die Platte kann ja garnicht heiss sein.
    Also funktionieren eingeprügelte Mantras sehr gut.

    Pädagogisches Geschick ist aber auch wichtig, um nicht nur Eigenverantwortlichkeit zu erlernen, sondern auch soziales Verhalten – Verantwortung für andere (mit) tragen zu müssen.

    Manchen Kindern kann man nicht alles in die Birne klopfen, was man gerne darin sehen würde.
    Schliesslich gibt’s später (je später desto besser, zumindest in diesen Zeiten) weitere Einflussfaktoren, auf die Eltern keinen Einfluss mehr habe. Hoffen kann man nur, dass bestimmte Grundsteine vorher verfestigt sind.

    Das sind unsere ‚Macher‘ von morgen, denen man überlassen muss, wann es z.B. dringend abzuwägen ist, eine Auflage mit alten Gedrosch steigern zu müssen, um zumindest wie die Konkurrenz am ‚aktuellen‘ Thema zu bleiben.
    Ein gebildeter Chef überlässt dabei die überwiegende Verantwortung dem Arbeitnehmer und vertraut auf dessen gute Arbeit (in seinem Sinne). Ob der sich tatsächlich dauerhaft verantwortlich zeigt und gut recherchiert, zeigt sich nicht an einem kurzfristig gesteigerten Umsatz. Den kriegt man durch Geschmiere wohl einfach hin, die Prognose Insolvenz ebenso.

    Ebenso ist das mit Lehrern, die ihre ‚Freizeit‘ (die eigentlich keine sein sollte) alleine durch ihr Gewissen min- und maximieren können.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren