Mit dem Zug zum Flug

In erster Linie gelten unsere Gedanken und unsere Anteilnahme den Angehörigem der über 100 Toten des Fluges JK5022. Die über 20 Jahre alte Maschine der Fluggesellschaft Spanair stürzte gestern in Madrid ab.

Neben verzweifelten Angehörigen hinterlässt die Katastrophe einige offene Fragen. Vor allem aber eine Menge Zorn. Eine 20 Jahre alte Maschine, die schlecht gewartet wurde, eine Airline kurz vor dem Konkurs. Warum lässt man so was zu? Keine voreiligen Antworten, bitte. Spanien ist näher, als man glaubt. Auch muß es nicht immer Flugzeug sein, dass Menschen in den Tod reißt.

Wer als Pendler täglich mit dem ICE unterwegs ist, weiß, wo von die Rede ist. Die Züge des an die Börse strebendem Unternehmens sind in einem katastrophalen Zustand. Insbesondere die älteren Baureihen haben anscheinend die beste Zeit schon hinter sich.

Zerschlissene Sitzpolster, versiffte Tische, aber auch Außentüren, durch die Wasser läuft und holprige Fahrten wie in einem Dritte Welt Land. Was hinter der Bühne abgeht, möchte man gar nicht so genau wissen, bekommt es aber mittelbar durch die zahlreichem Pannen mit: Ausfall der Bordelektronik, der Klimaanlage, technische Probleme bei an- und abkoppeln und so weiter.

Es grenzt an einem Wunder, dass in letzter Zeit noch nichts ernsthaftes passiert ist. Aber irgendwann wird etwas passieren. Dann wird das Geschrei groß sein. Die Suche nach einem Schuldigen wird vermutlich im Sande verlaufen werden. Dabei liegt es auf der Hand, wer für die Missstände die Verantwortung zu tragen hat: wir alle.

Überrascht? Es ist eigentlich recht einfach. Wir haben zugelassen, dass der ehemalige Staatsbetrieb an der Börse verhökert wird, dass Wenige auf Kosten der Sicherheit Gewinne machen. Es wird gespart und der Tod spart mit.

Wenn so eine Katastrophe wie in Spanien passiert, sollten wir uns nicht wundern, sondern es entweder unter der Kategorie Lebensrisiko verbuchen oder Widerstand leisten gegen den Ausverkauf unserer Sicherheit. Das diese nur durch Terroristen bedroht wird, ist nämlich ein Mythos.

Kommentar verfassen