Schwarze in Bielefeld

Schwarze in Bielefeld? Also der politische Gegner, die CDU, die das arme Städtchen am Teutoburger Wald immer noch regiert? Daran würde ich denke, wenn ich „Schwarze in Bielefeld” lese. Nicht aber an Mitbürger mit einer anderen Hautfarbe. Aber der Reihe nach.

Ab und an trifft man nicht nur die Zeugen Jehovas in der Bahnhofsgegend, wie sie versuchen, ihren Wachturm unter die Leute zu bringen, sondern auch Vertretern ganz und gar weltlicher Printprodukte. Vergangenen Montag hat mich ein solcher davon überzeugt, mal wieder für zwei Wochen gratis (es gibt leider kein Schmerzensgeld dafür) die Neue Westfälische zu testen. Nun gut.

Heut stand dann im Lokalteil (dazu muss man wissen, dass bei uns zu Hause Werbung und Lokalteil aus der NW geschüttelt werden – der Rest wird unmittelbar dem Altpapier anvertraut) unter der Überschrift Afrikanische Bielefelder folgendes:

Von Mentalitäten und Normalitäten: Schwarze über das Leben in ihrer Heimatstadt

Das politisch korrekte Gewissen schlug sofort Alarm. Schwarze? Das sagt man doch genauso wenig mehr wie das früher Wort für Schoko-Kuss. Typisch NW ging mir sofort durch den Kopf. Allerdings war der Artikel dann doch besser als erhoft. Den, so lernte Herr Boley beim Frühstück, die afrikanischen Bielefelder selber bevorzugen das für sie neutral klingende Wort Schwarze:

Nicht Farbige. Das klingt wie etwas buntes. Wir stehen zu unserer Farbe und wollen sie positiv besetzen.

Sagt, laut NW, Allansani Mama aus Togo. Gut, wenn er das sagt – aber ist das denn wirklich so? Was wäre denn tatsächlich die korrekte Bezeichnung? Genau genommen kann schließlich die Bezeichnung „Menschen mit anderer Hautfarbe” tatsächlich diskriminierend sein, das sie gerade das abweichend, andere hervorhebt. Also doch Schwarze?

Ganz ehrlich, ich bin mir nicht sicher.

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