Mitfahrende Taschen

Vor Feiertagen ohne Platzreservierung mit dem ICE zu fahren, ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Wenn es ganz schlecht läuft, muss man sich auch noch um einen Stehplatz prügeln. Gestern auf der Hinfahrt nach Essen war alles ruhig, ja sogar fast gähnend leer. Auf der Rückfahrt Nachmittags sag es dann schon ganz anders aus.

Mich vom Ende des Wagens 24 durchhangelnd war ich dann ganz froh, noch einen Platz gefunden zu haben – nur stand da noch eine Tasche auf dem Sitz. Eigentlich kein Problem, man fragt dann höflich den Besitzer, ob denn der Platz noch frei wäre. Tat ich dann auch. Als Antwort bekam ich dann zu hören: „Nein, der Kollege kommt gleich wieder.” Nun, es stand also wieder die übliche Fragerei an, wer denn auf den bahn.comfort Plätzen auch tatsächlich die entsprechende Karte besitzt. Ich bin da ja mittlerweile ziemlich schmerzfrei geworden, was das angehet. Schließlich habe ich keine Lust, bis Bielefeld zu stehen.

Jedenfalls, warum nicht gleich bei dem Mitreisenden anfangen, den ich gerade vor der Nase hatte. Gesagt, getan. Auf meine Frage hin schaute er mich zerknirscht an, räumte seine Tasche weg und bot mir den Platz an. Mich wunderte nur, was denn dann wohl der Kollege sagen würde, wenn er wieder kommen würde.

Die große Überraschung kam dann in Dortmund, zwei Stationen später. Da stieg nämlich der Kollege, der angeblich gleich wieder kommen würde, erst in den Zug ein. Versteht sich von selbst, dass ich bis Bielefeld auf dem Platz sitzen geblieben bin. Hätte ich nicht gefragt, hätte die Tasche in einem überfüllten Zug bis Dortmund den Platz freigehalten – ganz wie im Kindergarten.

Kommentar verfassen