Mitfahrende Taschen

Mitfahrende Taschen

Vor Feiertagen ohne Platzreservierung mit dem ICE zu fahren, ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Wenn es ganz schlecht läuft, muss man sich auch noch um einen Stehplatz prügeln. Gestern auf der Hinfahrt nach Essen war alles ruhig, ja sogar fast gähnend leer. Auf der Rückfahrt Nachmittags sag es dann schon ganz anders aus.

Mich vom Ende des Wagens 24 durchhangelnd war ich dann ganz froh, noch einen Platz gefunden zu haben – nur stand da noch eine Tasche auf dem Sitz. Eigentlich kein Problem, man fragt dann höflich den Besitzer, ob denn der Platz noch frei wäre. Tat ich dann auch. Als Antwort bekam ich dann zu hören: „Nein, der Kollege kommt gleich wieder.” Nun, es stand also wieder die übliche Fragerei an, wer denn auf den bahn.comfort Plätzen auch tatsächlich die entsprechende Karte besitzt. Ich bin da ja mittlerweile ziemlich schmerzfrei geworden, was das angehet. Schließlich habe ich keine Lust, bis Bielefeld zu stehen.

Jedenfalls, warum nicht gleich bei dem Mitreisenden anfangen, den ich gerade vor der Nase hatte. Gesagt, getan. Auf meine Frage hin schaute er mich zerknirscht an, räumte seine Tasche weg und bot mir den Platz an. Mich wunderte nur, was denn dann wohl der Kollege sagen würde, wenn er wieder kommen würde.

Die große Überraschung kam dann in Dortmund, zwei Stationen später. Da stieg nämlich der Kollege, der angeblich gleich wieder kommen würde, erst in den Zug ein. Versteht sich von selbst, dass ich bis Bielefeld auf dem Platz sitzen geblieben bin. Hätte ich nicht gefragt, hätte die Tasche in einem überfüllten Zug bis Dortmund den Platz freigehalten – ganz wie im Kindergarten.

4 Replies to “Mitfahrende Taschen”

  1. Völlig richtig gemacht. Groß durch die Pampa fahren und für die Platzreservierung reicht es dann nicht mehr. Die glauben tatsächlich, man ist mit ’nem Klammerbeutel gepudert.

    Manche Leute schalten am Bahnhofseingang einfach das Hirn aus, ich kenne das Problem berufsbedingt.

  2. Jedesmal wenn ich deine Bahn-Geschichten höre bzw. lese frage ich mich inständig:“Was zur Hölle geht auf diesem Planeten eigentlich ab!?“

    Ist sich eigentlich jeder selbst der nächste? Gibt es überhaupt noch Non-Egoisten? Sind Fahrzeuge des ÖPNV Treffpunkt anonymer Anti-Solidaristen die nur darauf warten zuzuschlagen?

    Auf diese Fragen werden wir wohl nie eine explizite Antwort erhalten.

    Für den Fall das die Bahn überfüllt ist und du keinen Platz mehr bekommst … ich weiss ja das du ziemlich schmerzfrei bist xD … brüll einfach irgendwas von Dschihad … schmeiss nen Rucksack o.ä. durch den Gang und warte ab was passiert … to be continued … ;)

  3. @Dennis

    Nee wat bist Du wieder fies. Stell Dir das Chaos doch mal im ICE, zwischen Köln und Frankfurt vor. Die rennen da alle wie bekloppte Hühner umher. Einfach zum Totlachen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren