Zwischen Tugend und Todsünde

Zwischen Tugend und Todsünde

Habgier gilt als eine der sieben Todsünden. Im Wirtschaftsleben dagegen scheint Gier eher eine Tugend zu sein, mit der sich der Shareholder-Value steigern lässt. Es scheint daher nicht verwunderlich, wenn der bekannte Handy-Hersteller NOKIA zur Steigerung seines Gewinnes ein Werk in Bochum, Nordrhein-Westfalen, schleißt und dabei rund 4000 Mitarbeiter frei (d.h. auf die Straße) setzt.

Die Produktion eines Massenartikels am Standort Deutschland verspricht halt nicht so große Gewinne wie zum Beispiel in Rumänien. Das dabei das Werk bisher keine roten Zahlen geschrieben hat und die Mitarbeiter in den letzten Monaten auch noch erhebliche Überstunden geleistet haben, ist nur ein unwichtiges Detail – genauso wie die staatlichen Subventionen für den Bau und Erhalt des Werkes in Bochum.

Bei allem angebrachten Unmut über den Hersteller: im Grund verhält er sich systemkonform. Er versucht nur, das Maximale für sich herauszuholen. Sicher ist es leicht, jetzt NOKIA zu kritisieren. Angebrachter wäre es aber, grundsätzlich über die Fehler im Subventionssystem nachzudenken, die er solches Verhalten ermöglich, ja geradezu ermutigen.

Das NOKIA überhaupt Subventionen erhalten hat, war nämlich gundverkehrt. Es macht keinen Sinn, einem Weltkonzern mit einem Teller voller Süßigkeiten dazu zu überreden, sich irgendwo niederzulassen und ihm auch noch den Bau seiner Fabriken zu bezahlen. Da soll er gefälligst selber machen, denn es ist seine Aufgabe, entsprechende Rücklagen zu bilden. Anders sieht dies nur bei Firmenneugründungen aus, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Statt Konzernen mit Subventionen zu höheren Gewinnen zu verhelfen, sollte ein Staat besser in die Infrastruktur investieren, um den Standort attraktiv zu machen. Dazu gehört der gesamten Bildungsbereich. Für die 88 Millionen Euro, die NOKIA für das Werk in Bochum an Subventionen erhalten hat, hätte sicher mühelos ein entsprechender Verwendungszweck gefunden werden können.

3 Replies to “Zwischen Tugend und Todsünde”

  1. Das mit den Subventionen ist eh so eine Sache, ich kann mich dumpf an eine Talkrunde erinnern als damals dieses Wacker Werk zu gemacht wurde.
    Die Argumentationskette war da ähnlich, Subventionen ausgezahlt, Firma weg.
    Interessant waren die Äusserungen der Industrieprominenz, die dort geladen war.
    Sie können alle nicht verstehen, wie leichtfertig und mit wie weniger Bindung von der Politik die Millionen verteillt werden.
    In der freien Wirtschaft würden Manager die das Geld derart ohne Sicherheit verteilen keinen Monat in der Firma verbleiben.
    Nur unsere Steuergelder, bei denen ist das ja egal.
    Subventionen sind eine feine Sache, aber man sollte doch versuchen das Geld irgendwie zu binden, an Arbeitsplatzgarantien etc.
    Dann ruhig mehr bezahlen, denn für dauerhafte Arbeitsplätze sehe ich mein Geld gerne ausgegeben.
    Denn auch wenn das für die Betroffenen tragisch ist, den Schlipsträgern die solche Entscheidungen treffen kann man nix vorhalten, es ist ihre Aufgabe so zu entscheiden!

  2. Völlig richtig. Genau genommen sind Subventionen immer problematisch, Investitionen in Bildung, Kultur und Infrastruktur helfen der Wirtschaft ebenso und locken Firmen an, ohne dass der Wettbewerb verzerrt wird. Aber die Politik schmückt sich gern mit großen Namen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren