Berlin, ein Weihnachtsmärchen – Teil XVIII

Weihnachtsfeiern hatten immer jemanden, der für ihre Organisation verantwortlich war. Meistens war da das hinter auch derjenigen, der als Abladestelle für all die aus der Feier entstanden Unzufriedenheiten herhalten musste, denn auch hier galt das ungeschriebene Gesetz: man kann es nie allen recht machen – schon gar nicht, wenn es um Weihnachten und feiern ging.

Im Kanzleramt war deshalb die Verantwortung für die gesamte Planung der Weihnachtsfeier Verkehrsminister Tiefensee übertragen worden. Wenn er seinen Job gut machen würde, wären es nur die üblichen Verdächtigen, die sich über die misslungene Weihnachtsfeier auslassen würden. Und wenn sie tatsächlich recht haben würden und der Verkehrsminister tatsächlich den Wagen an die Wand gefahren hatte (was in seinem Fall ein passendes Bild war), dann wäre es sein Kopf, der rollen würde.

Wolfgang T. hatte vor, aus der Nummer ganz geschickt raus zu kommen. Milde stimmen konnte er die Feierenden Abgeordneten und ebenfalls zu Weihnachtsfeier eigeladenen die politischen Schmeissfliegen (Journalisten, Korrespondenten etc.) im Vorfeld schon durch die Auswahl des richtigen Weihnachtsbaumes. Dieses Jahr würde er ein besonders schönes, lebendes Exemplar präsentieren. Über seinem Bürostuhl hing ein grünes Filzkostüm, auf dem Schreibtisch lag ebenso grüne Schminke und weihnachtliches Schleifenband, was bei näherem hinsehen eine verdächtige Ähnlichkeit mit Handfesseln hatte.

In der Wohnung von Manfred S. ging das Licht aus. Nur der spärlich durch die Wolkendecke dringen Mond sorgte für etwas Licht. Scheinbar ein kompletter Stromausfall, dachte S, und wollte sich auf die Suche nach einer Taschenlampe machen, als es erneut dunkel wurde. Diesmal komplett ohne Mond. Zwei ehemalige Mitropa-Mitarbeiter schlüpften mit einem heftig zappelnden Sack aus der Wohnungstür hinaus.

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