Berlin, ein Weihnachtsmärchen – Teil VI

Noch immer war Kurt B. nicht fündig geworden. Die Suche nach dem Geruch gestaltet sich schwieriger, als die Genossen beim Parteitag mit Honigkuchen zu füttern. Essen. Er musste dauernd an Essen denken. Wobei der Franz doch eigentlich aus irgend so einem Nest im Sauerland kam. Passt ja auch ganz gut zu ihm, bei seinem leicht sauertöpfischen Gesichtsausdruck.
Nur selten hatte Kurt ihn lachen gesehen. Leicht geschmunzelt hatte er, als ihm die Merkel zum Abschied einen Fußball geschenkt hatte. Kurt selber hatte natürlich wieder nichts bekommen, obwohl der Koalitionsvertrag doch zumindest gefühlt sein Verdienst war. Zudem wurde ständig hinter vorgehaltener Hand über sein Gewicht gesprochen. Vielleicht sollte er mal Herrn Fischer fragen, denn der hat sich auch mal die Pfunde vom Leib gelaufen.

Beim Gedanken ans Laufen wurde ihm bewusst, dass er dies schon mindestens eine Stunde lang tat. Jetzt wurde Kurt auch klar, warum er sich so entsetzlich erschöpft fühlte. Wäre er doch mal lieber mit der Bahn gefahren! Wobei das in diesen Tagen auch sehr gefährlich war, denn man konnte leicht zur Geisel von Herrn Schell und seiner Lockführerfraktion (LFF) werden. Neidisch dachte Kurt an Wolfgang S. Der musste zumindest nicht laufen und konnte den ganzen Tag sitzen.

Genau dieser Wolfgang S. rollte gerade über die Schwelle seines Bungalows und streife sich eine Weihnachtsmannmaske vom Gesicht.

Kommentar verfassen