Schlechte Ideen

Schlechte Ideen

Zu den besonders schlechten Ideen gehört es wohl, sich sechs Wochen vor Weihnachten an einem Samstag in die Innstadt zu wagen. Zu behaupten es wäre voll, ist dann nämlich eine deutliche Untertreibung. Besonders prickelnd sind Menschentrauben im Eingangsbereich von Kaufhäusern, die es nahezu unmöglich machen, irgendwo durchzukommen. Auch ohne jemals einen Egoshooter gespielt zu haben, hat so mancher dann wohl Zielkreuze vor den Augen.

Meine Bewunderung gilt in solchen Momenten dem Verkaufspersonal, dass trotz des ganzen Stresses immer noch lächelt und höflich die Kunden bedient – es ist halt was anderes, mitten im Trubel zu sein als alleine am Steuerpult eines Zuges.

Wo wir gerade bei schlechten Ideen sind: ich sollte mir abgewöhnen, derzeit in jedem zweiten Satz über Not leidende Lockführer zu lästern. Es ist ja auch schließlich wirklich ungerecht, wenn man mit Anfang zwanzig nach drei Jahren Ausbildung rund zweihundert Euro weniger Verdient wie ein 30-jähriger Hochschulabsolvent, der gerade seine Promotion hinter sich hat und auf einem Haufen Schulden (dank Studiengebühren) sitzt.

Dabei ist es auch völlig unerheblich, dass ich beide Seiten kenne (mein Vater war bei der Bahn und ich selber habe auch mal mehr als einen Tag meine Nase in eine Universität gesteckt).

Wenn jemand wirklich derzeit mein vollstes Verständnis für einen Streik hat, dann sind das die Beschäftigten im Einzelhandel, die in Berlin bekanntermaßen an jedem der kommenden vier Adventssonntage arbeiten dürfen.

One Reply to “Schlechte Ideen”

  1. Tut mir leid, ich habe für Streiks wegen Arbeitszeiten im Einzelhandel genauso wenig Verständnis wie für die Erpressungen der GDL!
    Jeder Verkäufer erwartet, dass ich ihm am Sonntag morgen um 6 Uhr eine freundliche und kompetente Auskunft gebe wo sein Zug abfährt und pöbelt mich an wenn sein Zug nur 3 Minuten am Sonntag zu spät ist – aber wehe ich möchte am Sonntag nach meiner Schicht schnell noch einkaufen…
    Wer definiert eigentlich, das arbeiten an 7 Tagen und jeden Tag 24 Stunden für Mitarbeiter im Einzelhandel schlimmer ist als für uns Eisenbahner, für medizinisches Personal, für Feuerwehrleute, für Polizisten, für Energieversorger, für Mitarbeiter der Telekommunikation und noch so viele mehr in unserem Land! Aber bei den VerkäuferInnen geht dadurch das Familien- und Sozialleben kaputt….

    Beim gerechten Lohn für alle bin ich aber auch der allgemeinen Meinung – und gerecht ist nicht das der Hauptschüler mit 2-Jähriger ausbildung mehr bekommen soll als der Arzt nach 13 Jahren Schule und 5 Jahren Studium, auch wenn der Haupschüler einen Zug fährt…

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren