Schlechte Ideen

Zu den besonders schlechten Ideen gehört es wohl, sich sechs Wochen vor Weihnachten an einem Samstag in die Innstadt zu wagen. Zu behaupten es wäre voll, ist dann nämlich eine deutliche Untertreibung. Besonders prickelnd sind Menschentrauben im Eingangsbereich von Kaufhäusern, die es nahezu unmöglich machen, irgendwo durchzukommen. Auch ohne jemals einen Egoshooter gespielt zu haben, hat so mancher dann wohl Zielkreuze vor den Augen.

Meine Bewunderung gilt in solchen Momenten dem Verkaufspersonal, dass trotz des ganzen Stresses immer noch lächelt und höflich die Kunden bedient – es ist halt was anderes, mitten im Trubel zu sein als alleine am Steuerpult eines Zuges.

Wo wir gerade bei schlechten Ideen sind: ich sollte mir abgewöhnen, derzeit in jedem zweiten Satz über Not leidende Lockführer zu lästern. Es ist ja auch schließlich wirklich ungerecht, wenn man mit Anfang zwanzig nach drei Jahren Ausbildung rund zweihundert Euro weniger Verdient wie ein 30-jähriger Hochschulabsolvent, der gerade seine Promotion hinter sich hat und auf einem Haufen Schulden (dank Studiengebühren) sitzt.

Dabei ist es auch völlig unerheblich, dass ich beide Seiten kenne (mein Vater war bei der Bahn und ich selber habe auch mal mehr als einen Tag meine Nase in eine Universität gesteckt).

Wenn jemand wirklich derzeit mein vollstes Verständnis für einen Streik hat, dann sind das die Beschäftigten im Einzelhandel, die in Berlin bekanntermaßen an jedem der kommenden vier Adventssonntage arbeiten dürfen.

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