Der Sommer ist noch da!

Der Sommer ist noch da!

Zumindest in Bayern ist der Sommer noch nicht verschwunden, denn anders wäre es es kaum zu erklären, warum Gabriele Pauli (noch Mitglied der CSU) ein typisches Sommerlochthema aufgetischt hat. Sie hat ernsthaft vorgeschlagen, Ehen künftig au sieben Jahre zu befristen. Danach sollen diese automatisch auslaufen, wenn sie nicht verlängert werden.

Das Ministerpräsident Edmund Stoiber ihr den Austritt aus der Partei mit den Worten nahgelegt hat, einen solchen Vorschlag habe es nicht mal bei den Grünen gegeben, trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf. Selbst bei längerem überlegen bleibt ihr Vorschlag vor allem eins: außerordentlich dumm.

Wie soll das denn in der Praxis aussehen? Das man mit seinem Lebenspartern erstmal eine Probezeit vereinbart? Muss eventuell vor der Hochzeit festgelegt werden, ob oder ob nicht die Ehe befristet ist? Wie würde man das dann dem Menschen gegenüber begründet, dem man behauptet zu lieben?

Sicher, die Scheidungsrate ist in den letzten Jahren gestiegen. Auch bedarf das Scheidungsrecht einer grundsätzlichen Revision – aber wohl kaum auf diese Weise. Zumal der Vorschlag auch noch andere Dinge ausspart. So wird bei einer Befristung längst nicht automatisch geregelt, was mit den Kindern passiert (darf man dann überhaupt bei einer befristeten Ehe Kinder zeugen?), wie es um den Zugewinn und gemeinsam angeschaffte Güter bestellt ist.

Sicher, für alles gibt es die Möglichkeit, Verträge abzuschließen. Nur wenn vor der Ehe ein ausgiebiges Vertragswerk steht, dass Vereinbarungen zur großen Firmenfusion blass aussehen lässt, dann kann Mann und Frau die ganze Sache im Grunde genommen gleich sein lassen. Es mag sein, das sich die Bedeutung der Ehe für viele Menschen im Laufe der letzten Jahrhunderte eklatant gewandelt hat von einer Institution, die vornehmlich Existenzsicherung und Aufzucht eines Stammhalters im Blick hatte hin zu einer sehr starken Form, mit der zwei sich liebenden Menschen ihre gegenseitige Zuneigung ausdrücken können. Gerade aber der Vorschlag von Frau Pauli nimmt der Ehe jegliche Romantik und reduziert sie zu einem reinem Vertragswerk.

Liebe und Vernunft seien, so die Weisheit unserer Großeltern, oftmals Dinge, die nicht zusammen passen. Für eine Ehe entscheidet sich ein Paar aus dem Bauch heraus, nicht über den Kopf, denn zu viel Rationalität erstickt die Liebe. Diese mag zwar im Laufen von Jahren erkalten, erlöschen – aber genauso wie beim Tod sei es uns gestattet, dieses Thema zu verdängen, bis es uns einholt.

2 Replies to “Der Sommer ist noch da!”

  1. Noch vor ein paar Jahren war ich einer von denen, der im Leben NIE einen Ehevertrag gefordert hätte, der sowas fürchterlich unromantisch fand.

    Heute bin ich finanziell ruiniert und auf das Thema nicht mehr so gut zu sprechen.

    Das Eingehen einer Ehe ist kein romantischer Ausdruck von gegenseitigem Vertrauen, ein Liebesbeweis oder sonst was in der Richtung.

    Mit der Ehe gehst Du einen Vertrag ein, dessen AVB Du in überschwänglich sprudelndem Wohlgefühl tunlich nicht genau gelesen hast, weil Dir schon gar kein Vertrag (geschweige denn die AVB) vorliegt, wenn Du den Fehler Deines Lebens machst.

    Um Himmelswillen, ich freue mich dicke für Dich (Euch), wenn Eure Ehe klappt. Aber ich warne davor, so zu denken, wie Du es tust.

    Weil ich das vor vielleicht 20 Jahren auch noch tat. Aber was schreibe ich da, Du bist ja offenbar schon verheiratet.

    Ohne die Details zu kennen (Deutsche Politik ist ein Horror für mich), was die Pauli will, ist offenbar lediglich die Formalisierung eines längst bestehenden Zustands der Vertraglichkeit, die bis jetzt noch niemand genau und gesammelt durch lesen verstehen durfte, bevor er oder sie unterschrieben hat. Politischer Blödsinn, weil Symptombekämpfung, schon. Aber rührig.

    Hand auf’s Herz, Thomas. Was hast Du damals unterschrieben? Waren da AVB dabei? Warst Du / bist Du Dir der Details bewusst?

  2. AVB? Nicht das ich wüßte. Aber den Details war ich mir durchaus bewusst. In Deutschland gibt eine regelung, die sich auf den Zugewinn in der Ehe bezieht. Als Mann, der seiner Frau das Studium finanziert hat und dessen Frau mal sehr wahrscheinlich mehr verdienen wird, äußerst praktisch ;-)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren