Viva Pamplona, viva Mügeln?

Alljährlich findet in der spanischen Stadt Pamplona im Juli zu Ehren des Schutzheiligen San Fermín nicht nur eine Prozession statt, sondern auch die so genannten Stierläufe, die den Ort weltweit bekannt gemacht haben. In der sächsischen Kleinstadt Mügeln sollte im Rahmen eines Sommerfeste auch so ein Lauf stattfinden. Bedauerlicherweise waren die mit der Durchführung der Veranstaltung betrauten Personen des Spanischen nicht mächtig.

In überlieferten historischen Texten wir davon berichtet, das spanische Metzgerburschen das Vieh auf zum Markt getrieben haben. Üblicherweise handelte es sich dabei, so die betreffende Stelle im Text um Rinder – nicht um Inder, wie in Mügeln verstanden wurde.

Ebenfalls nicht verstanden oder schlicht übersehen wurde einer der wichtigsten Regeln beim Stierlauf. Stöcke oder andere Gegenstände zum lenken der Stiere sind in Pamplona verboten.

Lassen wir aber an dieser Stelle den etwas weit hergeholten Vergleich, weisen das Gerücht zurück, dass wohl ein Großteil von Sachsen Bürgern als Kind zu heiß gebadet wurde und verzichten auch darauf hinzuweisen, dass Mügeln ziemlich nach am Wort Prügeln liegt. Das was passiert ist, sollte eigentlich eher Anlass zur Betroffenheit als zur ironischen Betrachtung geben.

Nur: mit schlichter Betroffenheit kommen wir, wie die Erfahrungen gezeigt haben, nicht weiter, denn es nicht das erste Mal, das so was in Deutschland, gerade in Ostdeutschland, passiert. Das Geschehenen überrascht nicht wirklich. Erschreckend ist höchstens die zunehmend Brutalität bei ausländerfeindlichen Übergriffen (wobei es im Grunde völlig egal ist, ob bei einem Volksfest acht Inder oder acht Deutsche von einem Mob verprügelt werden, denn einer solche Hetzjagd sollte immer entgegen getreten werden), verbunden mit der Gleichgültigkeit der „unbeteiligten Zuschauer” – von Passanten kann in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden, denn jeder, der nicht handelt, ist ein Zuschauer der sich mit verantwortlich macht.

Stellen wir uns das noch einmal vor. Acht Menschen werden von einer etwa 50 Personen umfassenden Gruppe gejagt, grün und blau geprügelt. Wo bitte leben wir, dass ein ein solcher Rückfall in die Barbarei möglich ist? Was würde wohl passieren, wenn Bilder, ja ein Film der Hetzjagd ins Internet gelangen? Gäbe es eine Diskussion wie bei der Folterungen von Gefangenen in Abu Ghraib?

Es ist zu fürchten, dass nach ein paar Wochen alles vergessen, unter den Tisch gekehrt wurde. Bereits jetzt sind Anzeichen dafür erkennbar. So wird zum Beispiel berichtet, dass die Polizei zwei Tatverdächtige festgenommen hat. Wieso nur zwei? Es waren doch über 50. In den Medien wird auch geschrieben, dass es zum Teil erhebliche Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und dem Mob (bzw. der Menschenmenge) gegeben hat. Entschuldigend wird das noch mit der Eigenschaft „alkoholisiert” ergänzt. Als ob das eine Rolle spielt!

Wo sind an dieser Stelle die scharfen Hunde wie Bundesinnenminister, die im Kampf gegen den Terrorismus hartes Durchgreifen fordern? Das was in Mügeln passiert ist, ist nichts anderes als Terror! Und genau das, was bereits gegen religiöse Fanatiker, gegen politische Terrorgruppen wie die RAF angewendet wird und wurde, sollte auch hier zum Zuge kommen.

Sämtliche Beteiligten zur Sicherheit erstmal in Untersuchungshaft nehmen, bis alle Einzelheiten des Vorfalls geklärt sind – oder etwas nicht?

Wird in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen? Ist die Staatsmacht auf dem rechten Augen, wie schon so oft, blind? Wie ist es zu erklären, dass allzu engagierte Polizeibeamte Sonderkommission Rechtsextremismus (SOKO REX) versetzt, oder aufmerksame Polizisten von ihren Vorgesetzten aufgefordert werden, nicht genau hinzusehen, mal ein Auge zu zudrücken, wenn die Dorfjugend mal etwas über die Strenge schlägt?

Die Täter wie in Müngeln stammen nicht vor irgendeinem dubiosen rechten Rand, sondern sie sind mitten unter den Menschen, wie Wölfe im Schafspelz. Ein Herde Schafe, die keinen Schäfer hat, sondern auch nur von einem Schaf geleitet wird, um im Bild zu bleiben. Anders ließe sich nicht erklären, warum der Bürgermeister von Mügeln die Äußerung

Bei uns gibt es keine rechtsextreme Szene.

absondert. Einem guten Hirten wäre so was aufgefallen, denn die Rufe ”Ausländer raus!”, die bei der Verfolgung der Inder immer wieder ertönten, sind sicher nicht zufällig.

Vielleicht aber ist der Satz des Bürgermeisters anders zu deuten: Bei uns gibt es keine rechtsextreme Szene, denn wir haben die Rechtsradikalen vollständig integriert. Das erklärt dann auch das auffällige Wegschauen.

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