Basarmentalität

Basarmentalität

Etwas greift um sich in diesem Land: eine zunehmende Basarmentalität. Über alles und jedes wird verhandelt, Werte werden von Bord geworfen wie unnötiger Ballast. Das Schlimmste aber ist, dass Menschen einander dabei nicht mehr respektieren. Wa ist schon ein Verkäufer? Doch nur ein Hindernis auf dem Weg zum besten Schnäppchen!

Wie, es gibt kein Rabat? So was wird nicht akzeptiert, es wird schamlos verhandelt und versucht, das Verkaufspersonal einzuschüchtern. Dieses Verhalten zieht sich auch durch anderen Ebenen des Umgangs miteinander. Was früher noch als eindeutiges Signal gegolten hat, scheint heute nicht mehr zu existieren. Selbst ein einfaches „Nein” wird nicht mehr als solches akzeptiert. Normalerweise sollte es reichen, wenn jemand auf eine Frage ein solches bekommt, die Sache auf sich beruhen zu lassen. In Ausnahmefällen ist es zulässig, noch mal nachzufragen und dabei noch mal Argumente für eine positive Entscheidung nachzuliefern.

Wenn aber dann der Gegenüber immer noch nicht überzeugt, ist die Sache erledigt. So einfach wäre das. Menschen mit Basarmentalität nehmen aber eine negative Antwort als Signal, erstrecht weiter zu machen. Es scheint für sie eine sportliche Herausforderung zu sein. Wohlmöglich, das sie versuchen, ihr Gegenüber so lange zu bearbeiten bis dieser entnervt oder entkräftet aufgibt. Oder aber sie werden vom Widerstand erst so richtig angetörnt. Dann es ist es aber keine Basarmentalität mehr, sondern Vergewaltigung.

Vielleicht fällt es vielen Menschen ja mittlerweile schwer, zwischen Dingen zu unterscheiden, die verhandelbar sind und solche, die es nicht sind:

  • Du wollen kaufen Rosen?
  • Könnt ihr in eurem Land die Menschenrechte akzeptieren?
  • Hast du Hunger?
  • Sollen wir auf einen Teil unserer Atomraketen verzichten?

Sicher ist es schwer, die richtige Frage zum richtigen Zeitpunkt zu stellen. Oftmals gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Rosen, Menschenrechten und Hunger, aber das ist jetzt nicht unser Schwerpunkt. Die vier Beispielfragen zeigen, dass ein Nein an einer Stelle auch das Ende der Diskussion ist, während es an andere Stelle unabdingbar notwenig, auf weitere Verhandlungen zu bestehen.

Aber auch bei den Fragen, wo verhandelt werden kann, gilt es immer noch zu unterscheiden. So ist, auch wenn es wie auf einem Basar zu geht, die Anzahl der abzurüstenden Atomraketen durchaus verhandelbar. Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Hier gilt es, so lange mit überzeugenden Argumenten und sanftem Druck aufzuwarten, bis die Gegenseite nachgibt, nein überzeugt ist.

Genau dieser Strategie aber machen sich derzeit aber auch Menschen zu eigen, die Rosen verkaufen wollen oder aber einen MP3-Player eines Markenherstellers für die Hälfte des Preises erwerben wollen.

One Reply to “Basarmentalität”

  1. Das kenne ich zu Genüge. „Wie, Sie können keinen Rabatt mehr auf die Versicherung geben?“ – „Nein, kann ich nicht, mein Rabattkontingent ist vorgegeben. Sie haben bereits 10 % Nachlass von mir für diesen Sondertarif bekommen bekommen, in dem von sich aus schon 10 % Rabatt drin sind. Macht zusammen also 20 % Rabatt! *mitfingerdraufzeig*

    Viele Leute neigen auch schnell zum Finanzierungssyndrom. Was habe ich letzten November mit erstaunen in einem Versandkatalog gesehen: Weihnachtsgebäck für acht Euro, finanzierbar bis April in vier Raten…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren