Das Schäuble-Handy

Tchibo, der Konzern, dessen Kaffee-Verkauf nur noch ein Randbereich des Umsatzes ausmacht, bringt in den nächsten Tagen ein Kinder-Handy auf den Markt, das Wolfgang Schäuble mit Stolz erfüllen wird. Der damit ausgestattete Nachwuchs lernt, wie es sich anfühlt in totaler Überwachung zu leben, so wie es auch dem Innenminister für alle Bundesbürger vorschwebt.

Wie auch bei der Terrorismusbekämpfung reicht ein vermuteter Anfangsverdacht aus, um die Kinder statt mit einem Ring mit einem Mobilfunktelefon zu binden. Das sieht zwar nett aus, ist aber wie ein Trojanisches Pferd. Ein Geschenk der Eltern, in dem mehr drin steckt. In diesem Fall ein GPS-Empfänger, mit dem der Aufenthaltsort und wohlmöglich auch das Bewegungsmuster des Kindes ermittelt werden kann.

Verlässt das Kind einen vordefinierten Aufenthaltsbereich schlägt das Handy ähnlich wie eine elektronische Fußfessel Alarm. Bei aller Begeisterung für faszinierende technische Möglichkeiten: früher gab es etwas, das sich Vertrauen nannte. Mitunter tuscheln liberale Fossilien in unbeobachteten Momenten noch darüber, dass dies ein wichtiger Bestandteil bei der Erziehung von Kindern sei.

Malen wir aber mal mit einer anderen Farbe an die Wand. Es könnte ja auch sein, dass dies Mobilfunktelefone dazu dienen, den Nachwuchs frühzeitig im Umgang mit der Technik zu üben. Wohl möglich, dass bereits in wenigen Monaten nach dem Verkauf der Telefone im Kindergarten unter den Knirpsen Hacks und Firmwareupgrades kursieren, mit denen sich die Geräte modifizieren lassen, um so die Überwachung zu umgehen.

Pfiffige Kinder werden vermutlich das Handy irgendeinem Haustier umhängen oder es auf im Park, der ihnen noch erlaubt ist, deponieren, um anschließend auf einer Baustelle spielen zu gehen – ganz so, wie wir es früher auch gemacht haben.

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