Streikender Optimismus

Streikender Optimismus

Ich gebe zu, ich war zu optimistisch. Fest überzeugt davon, dass es nicht so schlimm sein wird, bin ich heute wie üblich aufgestanden und habe mich auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Ja, ich habe Zeit gelesen, ja ich kann nicht behaupten, es nicht gewusst zu haben. Ich war aber davon Überzeugt, dass der Streik nicht so schlimm werden wird.

Dummerweise habe ich mich getäuscht. Der Streik ist tatsächlich sehr heftig – aber was will man auch anderes erwarten von Leuten, die 31 Prozent mehr Lohn wollen. Derzeit fahren keine Züge mehr, nicht nur im Fernverkehr. Bis nach Essen würde ich allenfalls mit dem Fahrrad kommen, wobei der kürzeste Weg über die Autobahn sicher nicht unproblematisch wäre.

Aber ganz im Ernst: besonders lustig finde ich den Streik nicht. Zugverspätungen und Zugausfälle gibt es bei der Bahn auch so, dass muss nicht extra angedroht und angekündigt werden. Im Normalfall habe ich für Streikend auch Verständnis, aber in diesem Fall nicht.

Sicher, ein Streik muss weh tun. Mir würde es nicht so viel ausmachen, wenn die Forderungen der Gewerkschaft Deutscher Lokführer nicht so absurd wäre. Einen eigene, von den anderen Bahngewerkschaften unabhängigen Tarifvertrag und die besagten 31 Prozent mehr Lohn fordert sie für ihre Mitglieder. Das die Bahn da nicht mit einverstanden ist, leuchtet ein.

2 Replies to “Streikender Optimismus”

  1. Ich bin Eisenbahner und auch gewerkschaftlich in der Transnet organisiert. Ich denke auch, dass Streiks erforderlich sind und bei uns merkt die Bevölkerung es halt! Daher sind Streiks bei der Bahn auch meist kürzer als in anderen Betrieben – der Druck steigt schneller… Allerdings das was die kleine Lokführer-Gewerkschaft sich da leistet, dass ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden verantwortungsbewussten Eisenbahners! Unser Konzern hat ca. 220.000 Mitarbeiter, davon werden ca. 150.000 von der Transnet / GdBA vertreten. Die GDL vertritt maximal 30.000 Mitarbeiter aber macht uns alle in der Öffentlichkeit schlecht!
    Unsere Gehälter müssen deutlich steigen, gerade nach den Umsatzsteigerungen der letzten Jahre – da sind wir nämlich dran schuld! – aber nicht um über 31%! Auch wenn die Lokführer mit ihrem Gehaltsniveau in Europa nur an 3. oder 4. Stelle stehen…

  2. Wie gesagt, ich habe Verständnis für den Forderungen von Transnet / GdBA. Di esieben Prozent sind meiner Meinung nach wirklich notwending. Was sich aber die GDL auf dem Rücken auch ihrer Kollegen derzeit leistet, ist unmöglich!

    Und bevor ich es vergesse: Mein Vater ist auch bei der Bahn gewesen – ich kenne als auch die Innenperspektive.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren