Kapitalismus 3.0

Kapitalismus 3.0

Der Titel ist im Prinzip viel zu kurz, aber ich hatte die Befürchtung, dass die Überschrift, die ich eigentlich verwenden wollte, das Layout gesprengt hätte: „Wie der Kapitalismus die Blumenkinder des Web 2.0 frisst oder für sich vereinnahmt” Bevor ich weiter schreibe, ein kleiner Hinweis: das nachfolgende ist ein persönlich, völlig unreflektierter Eindruck, dem sicher auch jegliche statistische Grundlage fehlt.

Gut, wer hier jetzt weiter ließt, tut dies in eigener Verantwortung. Ich bin jedenfalls nicht schuld! Aber genug der Vorreden, versuchen wir in Worte zu fassen, was mich gestern wie ein Schlag getroffen hat. Nach dem ich mit meinem neuen Mobiltelefon nicht nur Audio-Dateien schneller übertragen kann, sondern das Gerät auch noch satte 4GB hat, verspürte ich den Drang, mich mal wieder bei den Podcasts umzusehen. Das wäre, so glaubte ich, eine ideale Ergänzung zu der Musik auf dem Handy. Die Feeds, die ich in iTunes noch hatte, liefen allesamt ins Leere. Tot. Das Podcast Verzeichnis von iTunes: überwiegend nur Angebote von Radio und Fernsehsendern, so wie großen Verlagshäusern.

Vom bunten Treiben, dass mich vor über einem Jahr selber zu einem Podcast-Experiment verführt hat, war nichts mehr zu sehen. Auch scheine ich so einiges verpasst zu haben. So wird zum Beispiel „Filme und so” nur noch von Timo Herzel betreut. Was ist mit Anik Rubens? Die ist wohl bei Audibel gelandet.

Nun gut, dachte ich mir, die Welt ist halt im Wandel, aber in der Blog-Szene ist bestimmt alles bei alten. Pustekuchen! Nehmen wir mal die deutschen Blogcharts. Dort steht derzeit Daily Pia, eine langjährige Blogerin, an letzter Stelle, während sich der aufgesetzte Werbeblog von Horst Schlämmer im oberen Drittel tummelt. Auch finden sich in den Charts einigen Blogs, wo ich mir nur verwundert die Augen reiben kann.

In der Süddeutschen Zeitung von heute morgen fand ich einen Artikel zu ebay. Das Auktionshaus ist zwar nicht unmittelbar Web 2.0, aber auch dort zeigt sich ein eigenartiges Bild. Der Umsatz stagniert, bzw. ist sogar rückläufig. Der Anteil an Auktionen zwischen Privatleuten geht, dank immer höherer Gebühren, immer weiter zurück. Erobert wurde die Plattform von professionellen Händlern. Als Kunde macht man nicht selten die Erfahrung, dass ein Produkt, auf welches wie wild geboten wird, im ganz normalen Ladengeschäft einer beliebigen Kleinstadt billiger zu bekommen ist.

Drei Eindrücke. Wirklich nicht sehr aussagekräftig. Ich fürchte aber, das sich diese drei Eindrücke ergänzen lassen, denn es brodelt an allen Ecken und Enden. Als Blogger hat wohl nur noch die Wahl, seine Seele gegen Werbeanzeigen auf seiner Website einzutauschen oder im Sumpf der Bedeutungslosigkeit zu ertrinken. Über diesen so geschaffene Bodensatz marschieren dann die Jünger des Web 3.0.

Was wird Web 3.0 sein? Ganz einfach: userinteractive capitalism.

3 Replies to “Kapitalismus 3.0”

  1. Ist es schlimm in der Bedeutungslosigkeit des WWW zu ertrinken ? Ich schreibe z.B. vorwiegend mal für mich, dann für meine Familie und Freunde, gerade wenn ich in der Welt unterwegs bin, für vielleicht noch ein paar andere die dann noch Spaß an meine Fotos haben, und der Rest ist mir sowas von herzlich egal.
    Ich bin dann wohl gerne bedeutungslos.
    Und in die Charts will ich schon gar nicht ! Denn dann muss (!) ich für andere schreiben.
    Und zu ebay hab ich mich schon mal deutlich geäußert :-)
    Also, laß sie doch mal alle und wir armen Z-Blogger für uns :-)…
    Gruss
    Joerg

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren