WordPress vor der Spaltung?

WordPress vor der Spaltung?

Zugegeben, eine etwas provokante Überschrift. Zugegeben, mir fehlt auch jetzt, wo ich im Zug unterwegs bin die Möglichkeit, im Internet noch mal eben ein paar Fakten nachzuprüfen. Daher ist es wohl auch eher Ausdruck eines persönlichen Gefühls, eine Schwingung, die wie ein leichter Windhauch vorbeizieht. Ich hatte mich ja bereits gestern darüber gewundert, dass wordpress.de nicht mehr zu erreichen ist (Danke an dieser Stelle für die Hinweise, in welches Notquartier die deutsche Comunity derzeit untergebracht wurde).

Ich hatte mich auch schon vor ein paar Monaten über so einiges gewundert bei WordPress. Es sind viele Kleinigkeiten, über die ich immer wieder gestolpert bin. An so einigen Punkten knirscht es im Backend gewaltig. Teilweise ist der Code nicht sehr sauber, die Oberfläche ziemlich angestaubt und jetzt, im neuen Jahr, gibt es fast wöchentlich neue Updates.

Mir stellt sich die Frage, welche Marschrichtung eingeschlagen wird, nein eigentlich: welche Marschrichtung bereits eingeschlagen wurde. Was ist für die Zukunft geplant? Eine kommerzielle Blogplattform mit einen Open-Source-Stiefkind? Wie anfangs erwähnt, fehlt mir gerade beim schreiben der Netzzugang, so dass ich nur wild spekulieren kann. Möge daher der Leser dieser Zeilen nachsichtig mit mir sein.

WordPress dürfte wohl die am weitesten verbreitet Blogsoftware sein. Um WordPress ist geradezu ein Hype entstanden. Kann aber der damit verbunden Anspruch überhaupt noch erfüllt werden, oder sind die Kern-Entwickler (oder war es nur einer?) mit dem Projekt etwas überfordert?

So wie ich persönlich das sehe, findet still und heimlich eine Kommerzialisierung statt. Letztendlich wird Mambo, äh WordPress dann einer Firma gehören, die die Zepter der Entwicklung in der Hand hält. Wie groß aber ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass es so eine Art JoomlaPress geben wird? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Eine tatsächlich Spaltung ist auch immer mit Problemen verbunden. Probleme für die Entwickler von Plugins und Themes, Verwirrungen für die Benutzer und vieles mehr.

Letztendlich stelle ich mir aber die Frage, ob der Weg, den die Comunity mit Joomla! gegangen ist, nicht auch der wäre, der sich für WordPress eignen würde.

7 Replies to “WordPress vor der Spaltung?”

  1. Wo siehst du die Kommerzialisierung? WordPress selber ist ein für jedermann frei einsetzbares Weblog-System. wordpress.com und die nationalen Abkömmlinge stellen kostenlos eine Plattform zur Verfügung, auf der jeder ein Blog haben kann. Aktuell wird nur über Akismet-Lizenzen für Geschäftskunden sowie zusätzlichen Speicherplatz für wordpress.com-Blogs Geld gemacht.

    Das mit dem Notquartier wordpress-deutschland.org möchte ich auch nicht so stehen lassen: Die Domain ist seit mindestens einem Quartal aktiv, und Aufrufe von wp.de wurden auch dahin umgeleitet. Ich kann verstehen, dass man etwas verärgert ist, wenn still und heimlich wp.de abgeschaltet bzw. umgeleitet wird – aber das Argument tausender toter Links ist eigentlich nur aus Bequemlichkeit (oder Faulheit) entstanden, jeder wusste dass der Zeitpunkt kommen wird, und jeder hatte mindestens ein Vierteljahr Zeit, um seine Links zu ändern. Von Verrat, wie einige es nennen, kann da nun wirklich keine Rede sein.

    Hype hin oder her, ich bin nach wie vor der Meinung, dass Automattic die Entwicklung gut im Griff hat. Auch kann ich die Aufregung um häufigere Updates überhaupt nicht nachvollziehen: Gibts zu wenig Updates, meckern die Leute. Gibts zu viele Updates, meckern sie erst recht. Ich persönlich begrüße die kürzere Frequenz, lassen sich neue Features und Sicherheitsupdates so doch schneller realisieren.

    Als krasses Gegenbeispiel könnte man doch studiVZ nehmen – stellen ebenfalls eine kostenlose Plattform zur Selbstdarstellung zur Verfügung, haben aber zeitweise nichts auf die Reihe gekriegt, Sicherheitsprobleme verschwiegen, die User im Dunkeln tappen lassen und konnten generell mit der Entwicklung nicht Schritt halten.

    Aber gut, es liegt wohl in der Natur des Bloggers Dinge, die irgendwann groß genug geworden sind, ein bisschen kritischer anzufassen. Ich will nicht behaupten, dass WordPress frei von Fehlern ist, aber ich bin trotzdem sehr sehr froh, dass es das System gibt, aktiv weiter entwickelt wird und der Support vorhanden ist.

  2. Deine vermutete Marschrichtung sehe ich nicht – WordPress wächst, ganz klar aber das muss nicht schlecht sein. Die Anwendergemeinde um WP, genauso wie die Community ist groß geworden und damit wird an allen Ecken diskutiert.

    Probleme im Backend gab es schon immer, Fehler ebenso. Schon immer gab es Funktionen, wo man dachte, oh warum haben die nicht … . Aber das ist so in einer Entwicklung, es ist schwer im Vorfeld alle Bereiche abzudecken und 100%ig zu machen. Welche Software ist Bugfrei?

    Ich finde, WP hat seine Arbeit gut im Griff und davon zeugen auch die Updates. Wp sit noch immer sehr schnell beim Support und Sicherheitsprobleme werden schnell behoben, auch wenn sie seites PHP entdeckt werden.

    wp.de ist schlecht gelaufen – OK, gegessen. Jeder macht Fehler, bei dem einen fällt es auf, bei dem anderen weniger.

    LG Frank

  3. Junge,Junge,

    Felix Beck und Du scheinen sich hier bei der Bildzeitung zu bewerben :
    „WordPress – verraten und verkauft“, „wp.de still und heimlich“, „WordPress vor der Spaltung „…

    Geht’s noch besser ? „Entdeckt – WordPress.de ein FBI Unternehmen“ , „WordPress – Enthält doch Bugs“, am Besten finde ich aber „Enttarnt! Die Entwickler von WordPress verdienen doch Geld damit…“

    Fehler passieren, auch bei WordPress.de und dem Domainumzug, da stimme ich zu. Aber muss man da so’n Fass aufmachen ? Ein unterschwelliger Vergleich zu Joomla/Mambo ist ein wenig weit hergeholt.

    WordPress ist bekannt und populär, die Weiterentwicklung braucht Geld und Zeit, und ja auch WordPress hat es an einigen Stellen
    bitter nötigt, dass ein ordentliches Codereview durchgeführt wird. Aber Fakt ist : WordPress ist in einer nie dagewesenen Einfachheit
    schnell eingerichtet und mit sehr wenig PHP Kenntnissen erweiterbar.

    Gut der Hype stellt ein Problem dar, der Hackerangriff vor kurzem ist nur ein Beweis dafür. Aber warum sollen Lücken nicht schneller
    gestopft werden ? Ein Betriebssystem von einem Herrn Bill Gates macht es auch nicht anders, und Linux & Mac können nur so lange darüber
    schmunzelt, bis sie mal wirklich in den Fokus von motivierten Hacker geraten.

    Solange Matt/Automattic für das Produkt „WordPress“ den Lizenzrahmen der GPL nicht verlässt, sehe ich keine Gründe, warum
    Vergleiche zu Joomla/Mambo angebracht sind, nur weil ein wordpress.com (und jetzt .de) einen gewissen kommerziellen und werbetechnischen
    Hintergrund (für Automattic) hat.

  4. Ich kann an dieser nur für mich sprechen, aber ich blogge schon ein paar Jährchen und beobachte, auch schon aus beruflichen Gründen, die gesammte CMS-Szene. Aus dieser Perspektive ist der, zugegeben launische, Artikel geschrieben.

    Für die Unterstellung, ich würde mich damit für die Bildzeitung bewerben, nehme ich jederzeit gerne Entschuldigungen entgegen – im Gegenzug spendiere ich auch eine Runde „Wie lerne ich, zwischen den Zeilen zu lesen“ ;-) In der Zwischenzeit kann man ja noch mal die ersten beiden Sätze meines Artikel lesen, statt sie nur zu überfliegen.

  5. So Thomas. Ich habe immer mehr den Anschein, als stehen wir allein auf weiter Flur. Aber ich bin ein Sturkopf und bleibe dabei.

    Diese Domainschalterei stört mich. Sie stört mich sogar sehr. Vor allem ist es hier nicht „mal einen Fehler machen“ sondern man kann Absicht unterstellen. Beim zweiten Mal gab es wieder keine Ankündigung; auf de.wordpress.com sehe ich den versprochenen Hinweis bis heute nicht.

    Ich freue mich über die Popularität von WordPress. Und ich habe überhaupt kein Problem damit, dass derjenige, der das Projekt ins Leben gerufen hat, jetzt davon leben kann. Was ich nur gerne hätte, sind klare Verhältnisse. Sowohl international, als auch bei WP.de. Und die gibt es einfach nicht.

    Thomas, dein Vergleich mit Joomla ist nicht schlecht: Hier liegt z.B. die deutsche Community in den Händen eines eingetragenen Vereins, auch die Entwicklerorganisation arbeitet not-for-profit formed. Das sind für mich klare Verhältnisse.

    Eine Abspaltung wäre vielleicht eine Möglichkeit, klare Verhältnisse zu schaffen. Aber leider sind zur Zeit die, die mit der Situation unglücklich sind, in der absoluten Minderheit.

    Ich mag WordPress wirklich sehr. Einfach und schnell. Tausende Plugins. Lässt sich wirklich sehr einfach erweitern und anpassen. Eine riesige internationale Community. Eine noch viel größere Verbreitung. Aber vielleicht wird gerade die weite Verbreitung WordPress letztendlich zum Verhängnis.

    Und es gibt Alternativen. Und ich denke schwer darüber nach, ob ich mich nicht nach denen umschaue.

  6. Hallo,

    ich bin gerade auf diesen Artikel gestoßen und würde nun auch gerne meinen Senf dazu geben. *lach
    Ich besitze nun schon seit mehr als zwei Jahren eine Homepage. Erst lief Joomla ein paar Monate, nach dem ich aber herausgefunden habe, dass Joomla besonders im Backend manchmal ziemlich unlogisch ist, bin ich auf WordPress umgestiegen. Mit WordPress sind die Abläufe sehr viel besser organisiert und logischer, aber Bugs sind auch leider oft zu finden. *Ich weiß, keine Software ist ohne Fehler*.
    Nun steht bei mir die Überlegung an, ein eigenes Blogsystem zu programmieren, aber da stellt sich natürlich die Frage. „Warum etwas ähnliches programmieren, was es schon gibt?“ Denn schließlich ist WordPress nicht so schlecht, wie es von manchen behauptet wird. Wie wäre es also, wenn man einen eigenen Entwicklungszweig von WordPress produziert, welcher weniger Updates (größere Updatezyklen) und ein überarbeitetes Backend mitbringt?
    Wer daran Interesse hat, kann sich ja mal unter: max.luehrig@bymaxe.de bei mir melden.

    Tschüss
    Max

  7. @Max:Das wäre eine Idee. Momentan knie ich mich in der Rest-Freizeit in Typo 3 rein, während ich beruflich WP für einige, zum Teil sehr exotische Projekte verwende. WP hat einfach den Vorteil, dass sich so gut dran rumschrauben lässt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren