Monster zu Besuch

Wenn ich leise bin, kann ich hören, wie das Monster an der Tür klopft und seinen Namen flüstert: Typo3. Ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass ich es hereinbitten sollte, damit es sich an den Tisch setzt, an dem schon andere Content-System sitzen und sich bei Kaffee und Kuchen mit mir unterhalten.

Jedes CMS versucht natürlich, sich selbst ins beste Licht zur rücken, aber so recht überzeugen konnte mich noch keins. Irgendwo gibt es dann Details, die nicht stimmen, wo das CMS an Grenzen stößt, die dann zu zusätzlichem Aufwand bei Projekte führen. Was mich auch immer wieder dabei erstaunt: Viele Systeme scheinen ausschließlich aus der Sicht eines Entwicklers gestrickt worden zu sein, ohne dabei daran zu denken, dass so ein CMS auch von einem Kunden verstanden und benutzt werden soll (sonst wäre ja auch ein CMS fast überflüssig).

Zurück aber zur Runde derer, die nicht mehr an der Tür klopfen, weil sie schon an der Tafel sitzen. Da hätten wir zum Beispiel WordPress: Zu seinen Vorzügen gehört das einfach Templatesystem (ich halte Templates, die PHP als Template-Sprache verwenden schon allein aus Performancegründen für wesentlich besser als andere Ansätze), die gute Dokumentation und die Möglichkeit, sehr schnell eigene Plugins zu schreiben. Zu den Nachteilen gehört, dass es seien Blog-Herkunft nicht leugnen kann und bestimmte Aspekte, wie zum Beispiel einen Workflow , vermissen lässt. Newsletter verschicken geht mehr schlecht als Recht mit zusätzlichen Plugins, eine brauchbare Shop-Lösung ist nicht vorhanden.

Bei Joomla! gibt es zumindest sind zumindest die letzten beiden Punkte gegeben. Allerdings gibt es auch dort im Backend nicht die Möglichkeit, einen Workflow abzubilden, wo von Redakteuren im Backend erfasste Artikel durch einen Chefredakteur freigegeben werden müssen (das ist, soweit ich es feststellen konnte, nur bei Texten von Frontend-Usern möglich). Eine Erweiterung für Joomla! Schreibt sich auch nicht mal eben so wie bei WordPress.

Dann gibt es noch eine lange Liste von anderen Gäste, die alle sicher ihre Vorteile haben, aber auch eben mit Nachteilen behaftet sind. Um sie nicht alle beim Namen nennen zu müssen, mal einfach eine Liste mit Anforderungen, die alle erfüllt sein müssen, um als CSM in Frage zu kommen:

  • Workflow
  • Newsletter Erweiterung oder Funktion
  • Shop-Funktionalität als optionale Erweiterung (kann auch kostenpflichtig sein)
  • gute Dokumentation
  • verständliches Backend für Endanwender (ohne größeren Schulungsbedarf)
  • Erweiterung durch eigene Plugins/Extensions sollte möglich sein
  • performante Templatesprache
  • Möglichkeit, quasi on the fly im Backend Masken zur Datenerfassung (gerade auch im Backend) zu erzeugen (wobei die Daten dann in einer eigenen Tabelle der Datenbank landen sollten

Mir wird sicher hinterher wieder eine Menge, was ich an dieser Stelle noch vergessen habe.

Um die Anforderungen noch mal deutlich zu machen, ein kleines Szenario dazu: Stellen wir uns ein Projekt vor, bei dem es um die Veranstaltung von Messen geht. Neben den üblichen Anforderungen an eine Webpräsenz sollen auf der Internetseite Messetermin angezeigt werden. Jeder Messetermin hat Datumsangaben, ein Bild von dem Messeort, Text zur Beschreibung, ein zugeordnetes PDF mit Details, und einen Bereich „Warum Sie diese Messe besuchen sollten”. Die Termine sollen von Mitarbeitern des Kunden über das CMS erfasst werden. Schon allein die notwendigen Felder sprengen den Rahmen von Überschrift, Teaser, Text, den die meisten Contentmanagmentsysteme nur bieten. Zusätzlich soll an Interessenten, die sich auf der Webseite eintragen können, über das CMS ein Newsletter verschickt werden. Aktuelle Informationen und Artikel auf der Webseite sollen auch von Mitarbeitern im CMS eingegeben werden, dürfen aber erst erscheinen, wenn die Geschäftsführung dazu die Freigabe über das CMS erteilt hat.

Wie gesagt, ich höre Typo3 an der Tür klopfen, freue mich aber, wenn jemand noch ein anders CMS einladen kann.

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