Halb zu Ende

Halb zu Ende

Eigentlich gehöre ich zu den Menschen, die Dinge gerne zu Ende bringen. Nur manchmal, da scheint es nicht ganz zu klappen. Zu Hause stapeln sich einige Bücher mit einem Lesezeichen irgendwo in der Mitte, ein paar Filme auf DVD habe ich nie zu bis zum Abspann gesehen und selbst bei den wenigen Xbox 360 Spielen, die ich habe, könnte ich nicht behaupten, sie alle bis zum Schluss durchgespielt zu haben.

Gut, bei den Spielen ist es schnell erklärt. Oblivian kann eigentlich nie richtig durchgespielt werden, Spiele mit frustrierend hohem Schwierigkeitsgrad landen bei mir auch noch gerade rechtzeitig in der Ecke, bevor das Gamepad in den Fernseher kracht. Die meisten Spiel für die Xbox 360 spiele ich hauptsächlich mit meinem Bruder online über Xbox live – kooperative, versteht sich, denn geprügelt haben wir uns früher genug (aber das wäre dann eine ganz andere Geschichte).

Auch bei den Filmen ist es recht einfach. Was mich langweilt, schau ich nicht zu Ende. Für meinen Geschmack muss ein Film so gestrickt sein, dass er eine permanente Spannung erzeugt. Da geht überings auch mit so genannten anspruchsvollen Filmen. Bei „Good night and good luck” habe ich mich zum Beispiel keine Sekunde gelangweilt.

Bücher sind für mich seit sehr langer Zeit schon was besonderes. Wenn ich sie nicht durchlese, ist das wie ein Stachel im Fleisch. Trotzdem greife ich bei Büchern auch mal leicht daneben. Gut, dass ich einen Vorrat an Lesezeichen habe, denn so ganz gebe ich ein Buch nie auf. Am liebsten sind mir jedoch die Bücher, die ich nach den ersten Zeilen erst dann aus der Hand legen kann, wenn ich auf der letzten Seite angelangt bin. Das ich in letzter Zeit keines solcher Bücher mehr verspeist habe, liegt am letzten Buch, das immer noch ein Lesezeichen drin hat: Der Chirurg von (der genaue Titel ist mir gerade entfallen). Erinnert mich sehr stark an den Medicus. Und den halte ich nach wie vor für eines der Bücher, die zu hoch gelobt worden sind, ohne das eine entsprechende Qualität dem gerecht werden konnte. Oder um es anders zu sagen: der Medicus ist eine Ärzte-Groschenroman auf etwas höheren Niveau.

Nun gut, eigentlich wollte ich ja keine Bücherkritik schreiben, sondern nur was darüber, warum ich manche Dinge nicht zu Ende bringen. Wie es jetzt aus sieht, scheint das nicht an mir zu liegen, sondern an den Dingen selber. Ziemlich einfaches, möglicherweise auch unbefriedigendes Erklärungsmuster.

3 Replies to “Halb zu Ende”

  1. Dann lass mich mal ganz dreist Eigenwerbung betreiben: Mein Kurzgeschichtenband „Phantomherz“ (bei amaz0n findbar) ist wie gesagt voller Kurzgeschichten. Das heißt: Man kann ein wenig lesen, zur Seite legen, ein halbes Jahr später erst wieder aufnehmen, und das macht gar nix :)

    Seitdem ich beruflich viel Zug fahre, schätze ich solche Bände mit Kurzgeschichten, wie zum Beispiel von Max Goldt oder Volker Backes. Einen Text hat man in 10 Minuten durch, und man hat nicht zwangsläufig den Drang im Zug sitzenzubleiben. Gleichzeitig ist es auch nicht ganz so schlimm, wenn man zeitbedingt nicht zum Weiterlesen kommt…

  2. Wer will schon alles zu Ende bringen, wo das ganze Leben nur vorläufig und fragmentarisch ist?
    Man muss beides ja nicht gleich zum Prinzip für alle Handlungen machen. Wenn aber ein Ding nur Lebenszeit verschwendet, dann spricht nichts dagegen, es in die Umlaufbahn eines Fragmentes zu schicken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren