Todesurteil für Saddam

Unabhängig davon, was ein Mensch verbrochen hat, sollte auf jeden Fall das Recht auf Leben gelten. Die Todesstrafe ist und bleibt ein barbarischer Akt – ohne Ausnahme. Daher gibt es wohl kaum einen Grund zu jubeln und sich über das Todesurteil für den Ex-Diktator Saddam Hussein zu freuen.

Davon abgesehen wird das Urteil auch niemand nützen. Es mag zwar primitive Racheinstinkte befriedigen, wobei noch nicht ganz klar ist, ob die bei der irakischen Bevölkerung nicht sogar kleiner sind als beim amerikanischen Präsidenten George W. Bush, zum Frieden in der Region wird es jedoch nicht beitragen.

Eine echte Aussöhnung der Volksgruppen im Irak fand gab es bisher nicht. Für die zahlreichen Anhänger des Diktators würde dieser durch die Vollstreckung des Todesurteils zum Märtyrer. Weitere Anschläge, mehr Blut, was fließen wird, dürfte die Folge davon sein. Helfen wird das weder den Menschen im Irak noch der Regierung, die nach wie vor um ihre Legitimierung kämpft.

Wie sähe aber die Alternative aus? Welches Strafmaß wäre für den Diktator gerecht? Schon die Frage führt auf die falsche Spur. Gerechtigkeit in diesem Zusammenhang wird es nie geben, nicht geben können. Ein Leben vermag nicht das Leben vieler aufwiegen, dass Leid zahlreicher Opfer und ihrer Angehörigen wieder lindern. Vergeltung ist nicht möglich. Wenn es denn also nicht um die Herstellung von Gerechtigkeit geht, dann wohl darum, was als angemessen für die Taten erscheint.

Ist eine lebenslängliche Haftstrafe angemessen? Würde sie Saddam Hussein läutern, ihn zu Einsicht bekehren? Wohl kaum. Eine lebenslange Haftstrafe ist immer nur ein Kompromiss. Verhindert wird die Todesstrafe, der Gesellschaft wird dafür gleichzeitig die Illusion vermittelt, der Täter würde sein gesamtes restliches Leben lang für seine Taten büßen. Weggesperrt, um weitere Verbrechen zu verhindern.

Es mag angemerkt werden, dass sich Diktatoren und Kriegsverbrecher nicht mit „normalen” Mördern und Verbrechern in einen Topf werfen lassen. Zu groß sei ihre Schuld. Vor Gericht aber sollten alle gleich sein. Wer in der Regel die Todesstrafe ablehnt, muss sie auch für Saddam Hussein ablehnen – alles anderen nivelliert die Grundwerte. Ethische Leitsätze gelten nicht situationsabhängig, sondern haben Allgemeingültigkeit.

Keine Todesstrafe also für den „Schlächter von Bagdad” oder wie auch immer er von der Boulevardpresse tituliert wird.

Ein letztes noch: Versuche, den Ex-Diktator zu resozialisieren, dürften wohl vergeblich sein. Zu starköpfig ist er, zu uneinsichtig in seien Taten, die aus seiner Sicht nicht Unrecht, sondern Recht gewesen sind. Wobei er sich deshalb der Einsicht verweigern dürfte, um durch diese Haltung seine Anhänger über sein eigenes Leben hinaus an sich zu binden. Gerade diese Beharrlichkeit sollte eine Warnung an die Richter sein, ihn nicht zum Märtyrer zu machen.

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