Perfekter Skandal

Daisy ist tot. Daisy wer? War das nicht die verwöhnter Töle vom selbsternannten Modezaren Rudolph Moshammer? In der Tat. Daisy war sein Hund. Und treu, wie so ein Hund nun mal ist, hat Daisy ihrem im Januar 2005 verstorbenen Herren (wobei der eigentlich verstorben wurde, um genau zu sein) nicht besonders lang überlebt. Kann auch sein, dass ihr der ganze Stress zum Hals raus hing und schließlich zur Verengung ihrer Luftröhre führte.

Damit lässt sich dann nicht mehr so gut hecheln, sondern nur nur kurzzeitig röcheln. Wie dem auch sei, das Tier ist jetzt tot. In der BILD von gestern war das eine Schlagzeile auf Seite eins – zusammen mit den Fotos „unserer Jungs” in Afghanistan , die mit einem Totenschädel posierten. Jetzt ist das Geschrei natürlich groß. Die Soldaten haben, so wird geschrieben, Schande über unser Land gebracht. Dabei sie doch nur das gemacht, was wohl auch ihre Großväter getan haben – wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an die Fotos der umstrittenen Wehrmachtsausstellung.

Natürlich wird sofort von deutschen Politikern Bedauern bekundet und gleichzeitig angeführt, dass es sich nur um Einzeltäter handeln würde und keinesfalls typisch für die Bundeswehr sei. Die echten Fotos würden ein falsches Bild vermitteln.

Ähnlich wie bei dem Karikaturen von einem bekannten Religionsgründer, über die sich auch erst Monate später nach Erscheinen aufgeregt wurde, sind auch die nun präsentierten Fotos schon etwas älter. Um genau zu sein: sie wurden im Frühjahr 2003 aufgenommen. Zyniker würden jetzt behaupten, dass das damit ja dann längst passe sei – so wie bei den Wehrmachtsfotos also. Letztendlich haben die Bundeswehrsoldaten aber niemanden getötet, was von den Angehörigen der ehemaligen Wehmacht nicht behauptet werden kann.

Der Vorfall lässt sich aber nicht als Dummer-Jungen-Streich abtun. Es wäre einer gewesen, wenn sie den Schädel der toten Daisy in die Kamera gehalten hätten. Wobei dann aber das Geschrei hierzulande größer gewesen wäre.

Der letzte Punkt bringt uns dann aber zum Kern der beiden Meldungen. Den meisten Lesern von BILD (wenn in dem Zusammenhang überhaupt von Lesern gesprochen werden kann, denn meistens geht es wie im Privatfernsehen um das ankucken von bunten Bildern, aber das ist dann wieder ein ganz anderes Thema), wird die Meldung über den Tod des Köters mehr zu Herzen gegangen sein. Bei den Soldatenfotos werden sie wohl nur gedacht haben:

Unsere armen Jungs. Schon wieder wird auf ihnen herumgehackt. Sie wollten doch nur ein bisschen Spaß haben.

Diejenigen, die solches denken oder aussprechen, werden sich hoffentlich an ihre Worte erinnern, wenn hier in Deutschland der erste islamische Selbstmordattentäter sich und andere Menschen mit einer Bombe in die Luft gejagt hat. Schließlich wollte der dann nur ein bisschen Vergeltung haben. Vergeltung für die Leichenschändung, ein verlorenen Spiel in der Fußballweltmeisterschaft oder was auch immer.

Nicht dass jetzt der Eindruck entsteht, ich hätte dafür Verständnis – dafür habe ich genauso wenig Verständnis wie für die Fotos, über die intensiv diskutiert werden sollte. Denn es sind keinesfalls Einzelfälle. Es handelt sich entweder um eine bedenkliche Entwicklung oder um latent vorhandenes Phänomen, das es zu untersuchen gilt.

Die jetzt ans Licht der Öffentlichkeit gedrungen Fotos sind in den gleichen Zusammenhang einzuordnen wie die Fotos amerikanischer im Irak stationierter Soldaten. Auch diese führten zu einer weiteren Eskalation der Gewalt.

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