Tage im Herbst

Tage im Herbst

Ein paar letzte Tage, mehr oder weniger zu freien Gestaltung, bevor es wieder endlich losgeht mit der Arbeit. Ich glaube, ich habe mich noch nie so darauf gefreut, wieder zu arbeiten. Das liegt aber auch daran, dass der Urlaub kein Urlaub war, sondern ganz anders hieß. Auch liegt es an Menschen, die meinen, Arbeitslose würden die Zeit mit süßem Nichtstun verbringen.

Aber ich wiederhole mich. Während ich mich wie ein Schneekönig freue, dass ich wieder Arbeit habe, steht die Welt ringsherum nicht still. Fast ist es so, als ob sich sich schneller und schneller dreht, bis den meisten schlecht wird. Dabei sind es Menschen, nur Menschen, die wieder einmal am Rad der Geschichte drehen, wohl wissend, das sie die falsche Richtung gewählt haben.

Rückwärts geht es also, immer schneller, in eine Zeit, in der nicht Hoffnung, sondern Angst regiert. Aus einem freiheitliche, demokratischen Land wurde so ein Staat, der nicht nur seiner Bürger einer totalen Überwachung unterzieht, der nicht nur Touristen mit Terroristen verwechselt, sondern der sich auch künftig das Recht herausnimmt, schamlos zu foltern.

Es ist mitunter nicht mehr viel, was die USA von einem der so genannten Terrors- und Schurkenstaaten unterscheidet. Einen erkennbaren Unterschied im Verhalten zwischen christlichen und islamistischen Fundamentalisten scheint es nicht zu geben.

Was machen wir hier in Europa? Was tun wir für den Erhalt der Demokratie? In einer merkwürdigen Form der demokratischen Selbstverstümmelung wird die Inszenierung einer Mozart-Oper wegen angeblicher islamfeindlicher Aussagen, bzw. Szenen, die falsch verstanden werden könnten, gestoppt. Gleichzeitig marschieren rechtsextreme Parteien in neu gewählte Landtage.

Unter dem Schutz der Meinungsfreiheit werden Parteien wie DVU und NPD salonfähig gemacht, werden es Menschen gibt, die Pornografie für Schlimmer halten. Dabei ist das Gewähren lassen der Rechtsextremen auch Pornografie – es ist nichts anders als die Prostitution der Demokratie.

Das Rad, einmal rückwärts gedreht, kommt in Schwung und dreht sich weiter. Den Bürger hierzulande wird eine Gesundheitsreform aufgezwungen, die sie weder verstehen noch haben wollen. Eine kompetenzlose Bundeskanzlerin versucht versucht das Land zu steuern, obwohl sie nicht mal in ihrer eigenen Partei mehr das Ruder in der Hand zu haben scheint.

Was in Deutschland tatsächlich regiert, ist die Maßlosigkeit. Managern bedienen sich mit großzügigen Gehaltserhöhungen, während der angestellte Arbeiter abgestellt, abgespeist, ja entlassen wird. Alles zum Wohle der Aktionäre, nicht zum Wohle des Volkes, wohlgemerkt.

Junge Menschen in diesem Land sehen zunehmend für sich keine Zukunft – eine Einschätzung, die nicht so ganz falsch ist. Es fehlen nicht nur Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze statt Praktikumsstellen, sondern es fehlt vor allem an Hoffnung.

Der Herbst ist eine Jahreszeit, wo geerntet wird, wo die Früchte des Erfolges eingefahren werden. Wo sind die Erfolge in diesen Wochen? Die Blättern an den Bäumen verfärben sich, satte Farben leuchten in milden Sonnenlicht. Unser Land verfärbt sich auch. Es wird dunkel. Vom Herbst bleibt nur der Nebel, der mit einer nassen Kälte die Menschen zum frieren bringt.

One Reply to “Tage im Herbst”

  1. Bevor ich mich von dir mitreißen lasse und auf die vielzahl der in düsterem Licht gezeichneten Gedanken eingehe, belasse ich es fürs erste bei den Nazis: Einem Schildbürgerstreich gleich, stufte das Landgericht Stuttgart eine vielzahl von Anti-Nazi-Symbolen als verfassungsfeindlich ein – strafbar nach $86a StGB. So ist es nun verboten, ein durchgestrichenes Hakenkreuz zu tragen. Deshalb: Mach mit, werde Straffällig: http://al-musafir.de/straffaellig

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren