Mehdorns Marionetten

Zum Glück war ich gestern nicht mit dem Zug unterwegs, denn bei der Bahn wird gestreikt. Schwerpunkt der Arbeitsniederlegung war am Freitag das Schienennetz in Nordrhein-Westfalen. Wobei es ja genau genommen kein Streik ist, sondern ein Erpressungsversuch, bei dem die Reisenden als Geisel genommen werden.

Wieso ein Erpressungsversuch, wird sich der Unbedarfte fragen. Ganz einfach deshalb, weil es in erste Linie nicht um mehr Gehalt und kürzere Arbeitszeiten geht, sondern um die Pläne der Bundesregierung für das weitere Vorgehen beim Börsengang der Bahn. Insbesondere dreht es sich um die Frage, ob das Schienennetz, wie von vielen Politikern favorisiert, Bundeseigentum bleibt, oder ob es vollständig dem Konzern zugeschlagen wird.

Das Management der Bahn würde gerne das Schienennetz behalten. Rational spricht wenig dafür, denn Mitbewerber werde es dadurch weiterhin schwerer haben. Die beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA streiken mit Billigung durch Bahnchef Mehdorn.

Sicher, es stehen Befürchtungen im Raum, dass es bei einer Privatisierung zu Entlassungen kommen wird (wobei die Bahn in vielen Bereichen nicht zu viel, sondern zu wenig Personal hat). Bei den Parlamentariern in Berlin kommt aber was anderes an. Diese fühlen sich unter Druck gesetzt, erpresst.

Im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleibt bei all dem Gezerre der Öffentliche Verkehr. Zahlreiche Pendler kommen wenn überhaupt nur mit erheblicher Verspätung zu Arbeit. Die Schuld dafür werden sie aber nicht in Berlin abladen, sondern bei dem nächstbesten Mitarbeiter der Bahn, den sie erwischen.

Dabei ist sowohl der Unmut der Bahnangestellten als auch der der Pendler verständlich. Erfahrungen aus anderen Ländern bei der Privatisierung (zum Beispiel England) zeigen, dass es eigentlich nur eine vernünftige Vorgehensweise gibt: keine Privatisierung der Bahn, denn diese ist viel zu wichtig für unserer Land, als das aus der Hand gegeben werden sollte.

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