Ethik in der Nussschale

Schade, sehr schade, wenn sich anerkannte Wissenschaftler mit einem sehr guten Standing und beachtlichen Büchern mit nur einer Aussage selbst disqualifizieren. Wenn sie mit einem Zitat zeigen, dass sie von ihrem Fachgebiet zwar viel verstehen, ihnen aber Demokratie, Meinungsbildung und Ethik fremd sind.

Das Stephen Hawking jetzt behauptet hat, reaktionäre Kräfte in Europa würden die Stammzellenforschung verhindern, ist befremdlich. Die Wahrheit ist auch Lichtjahre von dem Bild entfernt, welches Hawking heraufbeschwört mit seiner Aussage.

Unabhängig davon, welchen persönlich Standpunkt jemand in der in Europa geführten Diskussion vertritt, wird er nicht bestreiten können, dass es eine Vielzahl von Argument gibt, die für bzw. gegen Stammzellenforschung sprechen. Es wird auch niemand bestreiten wollen, dass diese Argumente zur Zeit sorgsam abgewogen werden und es ganz danach aussieht, dass ein tragfähiger Kompromiss gefunden wird, der beide Seiten berücksichtigt.

Das ist nicht reaktionär, sondern eine Frage von gesellschaftlicher Verantwortung, der in Europa dazu führt, das bedingungsloser Fortschrittsglaube gebremst wird, wenn er ethischen Grundsätzen zu wieder läuft, unabwägbare Risiken mit sich bringt oder der Gesellschaft keinen Nutzen verspricht. Wie das in Amerika aussieht, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Das Hawking auf Grund seiner Erkrankung ein persönliches Interesse an der Stammzellenforschung hat ist nachvollziehbar. Dennoch sollte er in der Lage sein, einen Entscheidungsprozeß in seiner Komplexität zu erfassen und etwas differenzierte darüber zu urteilen.

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