Lasst den Bären los!

Lasst den Bären los!

Jetzt ist also die Katze aus dem Sack, bzw. der Bär aus dem Wald. Kurt Beck erhebt Anspruch auf die Kanzlerkandidatur, wie er gegenüber der „Blöd am Sonntag” sagte. Einige seiner Genossen werden sich vermutlich darüber wundern, das Parteipolitik über Schmierblätter betrieben wird, satt in den entsprechenden Gremien. Auch der Begriff „Anspruch” legt eine sehr merkwürdige Geisteshaltung offen.

Ganz so, wie ein Arbeitnehmer einen Anspruch auf Arbeitslosengeld erwirbt, scheint es für SPD-Granden einen Anspruch auf andere Formen von Versorgungsleistungen zu geben. Normalerweise sollte es eigentlich so sein, das eine Kandidat gewählt wird, statt das einer daher kommt, sein Revier markiert und sich anschließend abnicken lässt.

Letztendlich muss es innerhalb der Partei ausgemacht werden, wie damit verfahren wird und ob sich der König selber zur Krönung vorschlagen darf.

Für das einfache Wahlvolk stellt sich dagegen eine ganz andere Frage – nämlich die, ob es keinen geeigneten Kandidaten in der SPD als Kurt Beck gibt. Jemand mit mehr Charisma, jemand mit echten Ideen statt mit dem Appeal eines Verwaltungsbürokraten. Die Sozialdemokratie steckt tief, sehr tief in einer Krise.

Es könnte passieren, dass es mit zweiter Wahl ganz schnell in die dritte Klasse geht. Bei der Fußballweltmeisterschaft hat es nur für den dritten Platz gereicht – wenn die SPD so weiter macht, schafft sie mal gerade die Kreisklasse. Nur auf Grund von Traditionswähler ist die Partei noch nicht noch weiter abgerutscht.

Was aber noch nicht ist, kann durchaus noch werden. Einige Genossen arbeiten bereits fleißig am Sozial- und Stimmabbau.

15 Replies to “Lasst den Bären los!”

  1. Ich kenn das Original-Interview nicht, aber wahrscheinlich wird mal wieder die Frage nach der Kanzlerkandidatur gestellt worden sein (ich glaube nicht, daß Beck von alleine auf das Thema kam) und dann halt mit dem „ersten Zugriffsrecht“ geantwortet haben – was bei den großen Volksparteien (man mag es bedauern oder nicht) usus ist.

    Was für eine Sommerlochdebatte hätten wir denn, wenn Beck gesagt hätte „Nö, kein Bock. Soll wer anders machen!“?

  2. Das wäre auf jeden Fall sehr interessant geworden, oder nicht?

    Das ertse Zugriffsrecht in den Volksparteien halte ich für, sagen wir mal falsch, wenn daraus der so was wie ein Naturrecht entsteht.

    Wie das mit dem Abnicken von Beschlüssen und Unterdücken von abweichenden Meinung ganz praktisch funktioniert, kenn ich leider noch aus meiner Zeit als SPD-Mitglied.

  3. Thomas, auch das mit den Beschlüssen und Meinungen ist bei allen genau so. Muss mal ganz klar gesagt werden, damit nicht der Eindruck aufkommt, das wäre nur bei der SPD so.

    Natürlich kann ich das auch nur aus meiner Sozi-Sicht bewerten. Also Deinen Kommentar meine ich jetzt, nicht die Beck-Meldung ;-). Da ist was dran. Aber genau daran soll sich ja was ändern. Ein sehr guter Grund, drinzubleiben… Denn nur als Parteimitglied habe ich die Möglichkeit, diesbezüglich etwas zu bewegen, zu ändern. Mir alleine wird das natürlich nicht gelingen, auch hier vor Ort nicht an der Basis. Aber die Zeiten des Abnickens oder Abwinkens sind vorbei. Zumindest wird es den Versuch geben, da was zu ändern.

    Jeder Vorsitzende ist generell ein potentieller Kanzlerkandidat. Das ist normal. Normal ist auch, dass letztlich die Parteimitglieder entscheiden. Ob Kurt Beck es sein wird, steht also noch in den Sternen.

    Schon gar nicht würde er oder sonstwer eine solche „Forderung“ ausgerechnet in diesem Blatt stellen. Da war die Gesprächssituation wohl schon so, wie Jens sie geschildert hat.

  4. Das es in anderen Parteien genauso ist, davon gehe ich leider aus.

    Um es mal ganz offen zu sagen: Es gab einige Tagen in den letzten Monaten, wo ich mir tatsächlich (empfindlichere Naturen mögen es mir bitte verzeihen) überlegt habe, wieder in die SPD einzutreten (nein, nicht die Tür des Ortsvereins, sondern Mitglied werden).

    An anderen Tagen habe ich mich für diese Überlegung dann geschämt.

    Tatsächlich würde es aus meiner Sicht nur Sinn machen, Parteimitglied zu werden, wenn man mit einer Gruppe Gleichgesinnter eintritt und gemeinsam an einem Strang zieht (siehe ersten Blogeintrag von heute ;-).

  5. Dann gebe Dir einen Ruck und komme wieder zurück ;-). Wir können helle Köpfe gebrauchen, gerade jetzt, wo es auch darum geht ein neues Programm zu entwickeln.

    Ihr habt in Bielefeld rührige Ortsvereine. Das weiß ich ganz sicher :-). So z. B. Bielefeld-Bleichstraße mit meinem Freund Dieter, der auf die 80 zugeht aber aktiv ist wie ein junger Hüpfer *g*.

    Ein weiteres Zückerchen wäre außerdem: Dann wärst Du berechtigt, um ins WebSozis-Forum zu gelangen ;-). Auch dort könnten wir Leute wie Dich mit Programmierkenntnissen sehr gut gebrauchen…

  6. *grübel* Mir fällt dazu das Vaterunser ein „…und führe uns nicht in Versuchung…“

    Es ist halt verdammt schwer, wenn man eine rote Seele hat. Da gibt es dann zu SPD nicht wirklich eine Alternative, denn die Grünen sind eine FDP in Grün (zumindest geworden) und die Linkspartei ist weltfremd. Bevor ich in eine Partei eintreten würde, in der Leute wie Sarah Wagenknecht sind, würde ich lieber Wahlkampf für einen Kanzlerkandidaten Beck machen …

  7. Tja, die Sarah… Bildhübsch, aber … naja, hier schweigt der Gentleman mal lieber *gg*.

    Was brauchste denn noch für Infos? ;-)))) Soll’n wer mal skypen, dann kann ich Dir alles sofort beantworten und Dich zum Online-Anmeldeformular führen *gg*. Danach machen wir dann auch gleich die Anmeldung bei den WebSozis und schon wirst Du Schritt 1 nicht bereuen – ich schwör’s :-).

  8. Uff, ich habe gerade Sahara statt Sarah gelesen. Entweder liegt es daran, dass es so warm ist, oder das ich am liebsten so ein paar verbohrte Altstalinisten in die Wüste schocken würde.

    Ich werde mal ne Nacht drüber schlafen – über die SPD nicht woanders drüber ;-)

  9. Gut, dann mache das und dann skypen wir mal eben ;-). Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass Du mich jetzt so einfach los wirst *gggggggg*. Habe sogar schon diverse „Vorarbeiten“ geleistet ;-).

  10. Och, Du wirst da auch Martina finden z. B. ;-). Bei ihr war das noch etwas schwieriger, da musste ich noch „richtige Überzungsarbeit“ leisten, ehe sie eingetreten ist *gg*. Dauerte glaube ich zwei Tage oder so ;-)).

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren