The N Word

The N Word

Im Nahen Osten herrscht Krieg. Israelische Truppen kämpfen im Libanon und in Syrien. Währenddessen ist es in der deutschen Blogspähre ruhig, sehr ruhig. Eigentlich wäre es dringend notwendig, die Ereignisse zu kommentieren. Warum es andere nicht machen, darüber kann ich nur spekulieren. Ich weiß nur, warum ich davor zurückschrecke. Es ist die Angst vor dem N-Wort.

Auf Grund der historischen Last gibt es bei mir einen Reflex, der mich immer wieder daran hindert, meine Stimme kritisch gegen Israel zu erheben – auch wenn es dringend erforderlich wäre. Mit den Gedanken an das N-Wort erstickt jede Kritik im Keim.

Die wohl einzige Möglichkeit wäre, sich auf eine sehr ruhige und sachliche Art und Weise mit dem Krieg im Nahen Osten auseinander zu setzten. Problematisch wird das durch die sehr schwierige Lage, in der sich alle Konfliktparteien befinden. Es gibt kein einfaches Schwarz und Weiß, kein eindeutiges Gut und Böse. Der Konflikt erscheint dabei unlösbar.

Sollte sich dennoch eine Lösung abzeichnen, muss diese, damit sie von Dauer ist, eine Win-Win-Situation herbeiführen.

Für mich ist es jedoch, wie schon gesagt, sehr schwer, da eine neutrale Position zu finden. Jeder Ansatz führt zwangsläufig wieder zurück auf die Verbrechen des deutschen, nicht-jüdischen Bevölkerung (ich verwende hier bewusst die Verallgemeinerung) an ihren jüdischen Mitmenschen.

Vielleicht dennoch eine kleine Anmerkung. Das Vorgehen Israels ist ein Beleg für die These, dass aus Opfern auch Täter werden können.

9 Replies to “The N Word”

  1. Hm irgendwo lustig, da ich dieselbe Position bis gerade eben vertreten habe. Da ich allerdings auch eine Meinung zu dem Thema habe konnte und wollte ich mich nicht verschließen, auch wenns zum Schluß vielleicht sehr provozierend geworden ist.

  2. Seit der div. Landnahmen durch Israelische Truppen, interessiert mich das N-Wort nicht mehr, weil wir hier von 2 unabhängigen, verschiedenen Dingen Sprechen. Gewisse parallelen zum Überfall auf Polen drängen sich aber an der ein oder anderen Stelle schon auf…

    Pragmatisch gesehen ist die Bedrohung durch die Hisbollah natürlich real und mit allen Mitteln zu bekämpfen, allerdings beläßt Israel es nicht dabei, Stellungen oder Unterschlüpfe zu eliminieren, sondern nimmt Opfer in der Zivilbevölkerung wissentlich und absichtlich in Kauf. Ob man der Libanesischen Regierung Untätigkeit oder Mittäterschaft in Bezug auf die Hisbollah unterstellen kann, ist nochmal ein völlig anderes Thema.

    Ehrlich gesagt sehe ich mir die Nachrichten aus dem nahen Osten inzwischen nur noch mit Desinteresse an. Es gab hinreichend Ansätze und Verhandlungen für einen dauerhaften Frieden, die immer wieder an der Unbeweglichkeit der Parteien oder der Angst vor Extremisten aus beiden Lagern gescheitert sind. Großer Zaun drum, spitze Gegenstände verteilen und abwarten, dann löst sich die Sache schon. Wir haben im moment so massiv Probleme vor der Haustür zu lösen, das sich unsere Politprominenz lieber darauf konzentrieren sollte.

  3. „Wir haben im moment so massiv Probleme vor der Haustür zu lösen, das sich unsere Politprominenz lieber darauf konzentrieren sollte.“ Genau das trifft 100% zu. Sicher ist Welpolitik sehr wichtig, aber das, was an Entscheidungen zu Zeit hierzulande getroffen wird, verändert unser Land in eine Weise, die ich erschreckend finde.

  4. „Gewisse parallelen zum Überfall auf Polen drängen sich aber an der ein oder anderen Stelle schon auf…“

    Warum und Dumm. Mehr faellt mir da nicht mehr ein.

  5. @Soe:

    Diese Aussage ist bewußt Provokant gewählt. Aus einem simplen Grund. Immer wieder wird unter dem Deckmantel der Präventive ein Angriffskrieg mit wissentlich hohen Verlusten unter der Zivilbevölkerung geführt. Ein Vorgehen, das man ebenso den USA(Korea,Irak), wie auch den arabischen Staaten in den diversen Krisen im Nahostgebiet vorwerfen kann (z.B. Jom-Kippur Krieg).

    @Thomas:
    Ebendies. Anstatt über Nachhaltigkeit im eigenen Lande und soziale wie Bildungsarmut zu diskutieren, lenkt man auf den Titelseiten die Menschen jetzt wieder mit Krieg im fernen Nahen Osten ab. Die Fußball WM ist ja leider als Ablenkung schon vorbei. Sonst merkt womöglich noch einer, welchen Unsinn unsere Regierung da verzapft. Aber wir leben in einem Lobbyisten Land in dem in Wahrheit eben die Lobbys und nicht der Verstand regieren.

  6. „…Jeder Ansatz führt zwangsläufig wieder zurück auf die Verbrechen des deutschen, nicht-jüdischen Bevölkerung (ich verwende hier bewusst die Verallgemeinerung) an ihren jüdischen Mitmenschen.“ Ja – das stimmt. Aber ist es zugleich ein Grund, in der heutigen Zeit die Durchsetzung der Menschenrechte für die israelische ebenso wie für die Bevölkerung Palästinas zu fordern. Wenn das nicht gelingt, dann wirkt das „Erbe“ des Nationalsozialismus, des Holocaust weiter und verhindert u.a. eine Frieden im Nahen Osten…. 20.Juli 2006, Stephan Fröhder

  7. Die Durchsetzung der Menschrechte lässt sich nicht auf nationaler Ebene bewerkstelligen. Letztendlich benötigen wir zur Lösung solcher Konflikte eine stärkere UNO, die die Menschenrechte durchsetzt.

    Scheitern wird das aber an den unterschiedlichen Interessengruppen in der UNO, die angetrieben werden allein durch ihre eigenen nationalstaatlichen Interessen.

    Traurig stimmt, dass Deutschland auf dem Gebiet der Rüstungstechnologie sehr eng mit Israel zusammenarbeitet. Ob wir unsere Regierung da zum einlenken bewegen könnten? Selbst wenn, die USA würden ihre Haltung nicht ändern und weiterhin Israel mit Waffen und Geld unterstützen.

    Auch ein Boykot israelischer Produkte würde meiner Meinung nach nicht viel bringen. An die hässlichen Bilder, wenn hier zu Lande Menschen Schilder im Geschäften aufhängen würden, möchte ich lieber nicht denken.

    Zurück aber zum Ausgangspunkt. Wenn sich aus unserer Historie heraus eine Verpflichtung ableitet, im Konflikt zu vermitteln, dann bedarf es eines überzeugen Mittels, beide Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen. Ein solches Mittel sehe ich aber nicht.

    Was bleibt, ist daher ein Appell an die UNO, sich einzumischen. Und das die sich einmischt, wird wie gesagt, an der Realität scheitern.

    Wenig Hoffnung also, dass sich was ändert. Zumal wir hier in der EU auch eigene Konflikte haben, auch wenn diese momentan leise vor sich hin kochen wie in Nordirland, im Baskenland oder auf Korsika.

    „Was kümmert dich der Splitter im Auge eines Bruders, siehst du nicht den Balken in deinem eigene?“

    Ein beharren auf solchen Aussage hilft selbstverständlich den Palästinensern wenig. Helfen, konkret helfen könnten unsere Regierung anders. Dadurch, dass jeder Palästinenser auf Grund des Krieges bei uns Asylrecht genießt (solange er sich friedlich verhält). Das löst nicht den Konflikt, ist aber zumindest eine Möglichkeit, Kinder aus der Schusslinie zu schaffen.

    Und um noch mal auf die Menschenrechte zurück zu kommen: Unsere Land ist fleißig dabei, diese auch hierzulande Stück für Stück zu relativieren.

  8. @tboley – (2006-07-21)…das Interesse am aktuellen Krieg im Nahen Osten und die Forderung nach einer demokratischen u. sozialen Innen-, Wirtschafts- u. Sozialpolitik in Deutschland hängen vermutlich zusammen (news-online): Wer sich als Deutscher für die Lebensqualität im Libanon interessiert,schärft den Blick für die Qualität der Politik im eigenen Land…

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren