Merkel besser integrieren

Vergangene Woche sorgte die Hofberichterstattung von Katherina Borchert für ziemlichen Wirbel in Kleinbloggersdorf. Statt das Angela Merkel mal journalistisch gekonnte in die Zange genommen wurde, gab es nur eine handzahme Plauderei. Angeblich hat Borchert auch ihren Zettel mit vorbereiteten Fragen nicht dabei gehabt.

Weinen wir also an dieser Stelle echten Journalisten wie Friedrich Küppersbusch eine Tränen nach, die auch ohne Spickzettel in der Lage gewesen wären, ihre Fragen an die Frau zu bringen. Ich für meinen Teil hätte es für den Anfang mit den drei großen G’s versucht: Glaube, Gerechtigkeit und Grundgehalt.

Schwamm drüber. Hier soll es nicht um Äußerlichkeiten und die Frage „Obst oder Gemüse” gehen, sondern um Inhalte. Aufregen können sich andere. Wobei die Diskussion um das Video Interview tatsächlich eine Frage aufwirft. Nämlich die, ob die an der Diskussion beteiligten noch ganz bei Trost sind.

In der Bundesrepublik werden zu Zeit Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt, die den Zug der Zukunft auf ein völlig falsches Gleis führen und das wichtigste, worüber sich unterhalten wird, ist dieses dämliche so genannte Interview. Das ist in etwa so, als hätten die Passagiere auf der Titanic nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg über die Farbe der Rettungswesten diskutiert.

Gut, ich rege mich schon wieder an der völlig falschen Stelle auf. Lassen wir Frau Borchert draußen vor der Tür stehen und schauen uns das an, was Frau Merkel am vergangenen Samstag dem Volk via Videocast verkündet hat.

Immer brav lcheln

Die Bundeskanzlerin beginnt wie bereits im letzten Videocast lächelnd. Stellt sich die Frage, ob da doch mal ein Imageberater seine Arbeit gemacht hat. Das „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger” kommt wirklich ganz heiter rüber.

Aber schon im nächsten Satz ist das Lächeln verschwunden. Ist eigentlich schon jemanden aufgefallen, dass Merkels Körpersprache in weiten Teilen erstaunliche Ähnlichkeit mit der von Helmut Kohl ha?. Dieses unverwechselbare Halsrollen bei der Betonung. Wer weiß, vielleicht ziehen im Hintergrund die gleichen Leute die Fäden, was dann diese typischen Zuckungen erklären würde.

Nach der Begrüßung erzählt uns die Angela, dass sie diesmal ein paar Anekdoten über den Integrationsgipfel zum besten geben will.

Der dann folgende Satz ist nichts für Menschen mit Konzentrationsstörungen:

86 Teilnehmer, darunter Vertreter von ausländischen Organisationen und Einzelvertreter von Migranten haben zusammen mit den politisch Verantwortlichen und gesellschaftlichen Gruppen darüber diskutiert, wie wir die Integration, das heißt: das Zusammenleben mit ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Deutschland verbessern können.

Schade das an einigen Stellen wohl der Teleprompter etwas in die Knie gegangen ist, sonst wäre der Satz noch etwas flüssiger rüber gekommen. Inhaltlich war das ganz nett, denn diskutieren lässt sich viel. Wie weite Teile der Union in Bezug auf Integration denken, steht auf einem ganz anderen Blatt. Von vielen wird Integration mit Assimilation verwechselt.

Unsere Bundeskanzlerin ist aber im letzte Herbst angetreten, nicht nur um vieles anders zu machen als sie im Wahlkampf versprochen hat, sondern auch ein Stück besser als befürchtet.

Ziel ist, dass wir innerhalb eines Jahres einen Integrationsplan entwickeln und dabei festlegen, an welchen Stellen wir noch mehr erreichen müssen.

Aha, ein Integrationsplan. Also so eine Art Marshallplan für Ausländer in Deutschland und solche, die es werden wollen. Misstrauisch machen mich dabei die Stellen, wo noch mehr erreicht werden muss. Hat der Abschiebeminister Schäuble mit am Tisch gesessen? Der würde doch was ganz anderes erreichen wollen, denn für Integration steht Schäuble nicht.

Merkeln wir weiter:

Ein Thema, das eine besondere Rolle gespielt hat, war das Thema Erlernen der deutschen Sprache

Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, wäre ein Kurs „Verständlich sprechen” für unsere Politiker. Nach erfolgreichem Abschluss wäre dann auch Frau Merkel in der Lage, ihren Satz anders zu formulieren: „Eine besondere Rolle bei der Integration spielt das Erlernen der deutschen Sprache.”
So wäre der Satz wesentlich einfacher zu verstehen und zudem aussagekräftiger.

Alle waren davon überzeugt, dass der Zugang zu Bildung und zu Chancen in Deutschland damit verbunden ist, dass wir uns miteinander verstehen, das heißt, dass alle die deutsche Sprache beherrschen.

Holt sofort einen Deutschlehrer, der Satz hatte einen Unfall! Weder ich noch einer meiner Mitschüler hätte sich in der Oberstufe getraut, eine Redwendung wie „dass wir uns miteinander verstehen” zu verwenden.

Wenn die deutsche Sprache wirklich so wichtig ist (und das ist sie in der Tat), warum spricht unsere Bundeskanzlerin denn dann nicht in verständlichen Sätzen zu den Bürgerinnen und Bürgern? Möglicherweise liegt es daran, dass sie noch nicht richtig integriert ist. Oder schon zu lange Bewohner des Planten Bundestag ist, wo eine ganz andere Sprache als hier unten bei uns gesprochen wird.

Auch der nächste Satz zeigt, wie es nicht nachgemacht werden sollte:

Am einfachsten kann das gelingen, wenn bereits im Kindergarten dafür Sorge getragen wird, dass Kinder die deutsche Sprache so können, dass sie dann, wenn sie in die Schule kommen, auch ihre Lehrer gut verstehen könne

Vor allem übersieht Angela Merkel dabei ein Detail am Rande: die fehlenden Kindergartenplätze. Was nützt ein Konzept, welches das Erlernen der deutschen Sprache im Kindergarten vorsieht, wenn es nur für die wenigsten Kinder aus Migrantenfamilien einen Kindergartenplatz gibt? Ein klassischer Fall des Scheiterns an der Realität.

Blumig weiter geht es im folgenden:

Das Erlernen der deutschen Sprache ist die Voraussetzung, auf dem Ausbildungsmarkt vernünftige Chancen zu bekommen.

Falsch. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist eine der Voraussetzungen und nicht die Voraussetzung. Der Anteil derjenigen, die die deutsche Sprache beherrschen und trotzdem keinen Ausbildungsplatz bekommen, ist ein guter Beweis für diese These.

Leider haben heute von den ausländischen Jugendlichen nur 25 Prozent eine duale Berufsausbildung. Wir werden uns miteinander verständigen müssen, was wir hier ändern können.

Die Methode Schäuble würde so aussehen, die ausländischen Jugendlichen ohne Berufsausbildung nach Erreichen des 18. Lebensjahres einfach abzuschieben. Begründen ließe sich das sicher mit einem nicht vorhanden Bedarf. Damit würde die Quote dann auf 0 Prozent sinken.

Es sieht auch ganz so aus, also ob Frau Merkel noch unter den Nachwehen der Fußballweltmeisterschaft leiden würden und sich auf den Transfer ausländischer Spitzensportler bezieht:

Besonders gute Angebote für Integration haben die Sportverbände gemacht. Sie werden in Zukunft einen Integrationsbeauftragten haben, der auch von der Seite der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Hinweise und Tipps aufnimmt, was wir verbessern müssen.

Frau Merkel, dass Moto der WM war doch „Zu Gast bei Freunden”. Gäste gehen wieder und müssen nicht integriert werden. Wenn der Ali im Handballverein mitspielen darf (dort wird dann Ausländerhass aus foulen bezeichnet), bekommt er noch lange keinen Arbeitsplatz. Integration ist kein Straßenfest, bei dem sich alle liebe haben und nachher wieder getrennte Wege nach Hause gehen, sondern der wichtigste Bestandteil von Integration ist, den Menschen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Und Zukunft ist in diesem Land immer noch mit einem Arbeitsplatz und nicht mit einem Sportplatz verbunden.

In erster Linie würde es also darum gehen, Diskriminierung weiter abzubauen. Dagegen sträubt sich aber die Union und die Führungsriege christdemokratischer Ministerpräsidenten, wie die Debatten um das Anti- Diskriminierunggesetz gezeigt haben.

Wir sind der festen Überzeugung, wir können nur gut zusammen leben, wenn wir uns verstehen und wir auch gemeinsame Aktivitäten und Aktionen, zum Beispiel im Sport durchführen.

Wie gesagt, Händchen halten ist zwar wichtig, macht aber keinen satt.

Wir hatten diesen Integrationsgipfel durchgeführt in der Hoffnung, dass die allgemeine Bereitschaft besteht, sich der Aufgabe der Integration zu stellen.

Soweit das aus den Zeitungen zu entnehmen ist, sind die einzigen, die gestellt werden, Flüchtlinge, die sich angeblich illegal in Deutschland aufhalten. Was unser Land benötigt, ist ein Kehrtwende in der Einwanderungspolitik. Noch immer wird behauptet, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei. Das muss sich ändern. Es bedarf eines durchdachten Einwanderungskonzeptes und eine Änderungen im Asylrecht. Die Abschreckungspolitik in Form der bestehenden Einbürgerungstests muss beendet werden. Zudem ist es überfällig, über die duale Staatsangehörigkeit nachzudenken.

Wenn es um Vorteile für Kapitalgesellschaften und Spitzenverdienern geht, werden oft Beispiel aus dem Ausland aufgezeigt. Merkwürdig, dass dies beim Thema Integration nicht der Fall ist.

Ich war überrascht, mit welcher Offenheit alle Teilnehmer an dieser Veranstaltung ihren Beitrag geleistet haben.

Was sie an der Stelle eigentlich sagen wollte: Ich war überrascht, dass selbst unsere ausländischen Teilnehmer besser Deutsch gesprochen haben als ich.

Kommen wir zum Finale:

Integration bedeutet: Die Bereitschaft derer, die zu uns kommen, sich auf unsere Werte und auf unsere Grundlagen ein Stück zuzubewegen, und Integration bedeutet auf der anderen Seite, dass wir denjenigen, die zu uns kommen sagen, wir wollen euch und wir wollen mit euch zusammen leben.

Richtig gedeutet sagt der Satz, was Integration in Deutschland wirklich bedeutet: Die Bereitschaft, seine eigene Kultur aufzugeben und seine Wurzeln zu leugnen. Im Gegenzug dafür wird einem gestattet, für andere die Drecksarbeit zu machen. Wem das nicht passt, der kann wieder nach Hause gehen, denn hier wird er trotz aller Schönwetterreden immer das bleiben, was bereits Generationen von Menschen vor ihm waren: Gastarbeiter.

Schön zusammen fasst das noch mal unsere Bundeskanzlerin:

Das wird unsere Gesellschaft bereichern, wenn jeder seinen Beitrag dazu leistet.

Billige Arbeitskräfte bereichern unsere Gesellschaft tatsächlich. Kulturell bereichern sie uns aber nicht, denn ihre Kultur steht der so genanten „Integration” im Weg.

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