Unsensible Schlagzeile

Unsensible Schlagzeile

Bei web.de scheint einigen Mitarbeiter bedingt durch die Hitze das Feingefühl abhanden gekommen zu sein. Wie sonst wäre die folgende Schlagzeile zu erklären:

Anschwitzen oder Auschwitzen


Ich finde es geschmacklos, da die Wortgleichheit zu ähnlich ist.

8 Replies to “Unsensible Schlagzeile”

  1. Anschwitzen ist anstößig? Nur, weil man gegen Polen spielt? Ich weiss ja nicht so recht, das hört sich doch arg dramatisiert an und wird wohl nur von denen rausgelesen, die es auch wirklich rauslesen wollen.

    Generell finde ich es grausam, dass man seinen Sprachschatz immer einschränken soll, weil sofort irgendwelche Leute mit dem Finger zeigen und meinen, man wäre xenophob. Ironischerweise fängt die Phobie allerdings erst dort an, wo Leute sofort mit dem Finger zeigen. Und vielleicht sollte der Deutsche an sich auch mal den Blick nach vorne richten, statt sich ständig umzusehen.

    Bei Interesse hätte ich da auch einen Artikel zu. ;-)

  2. Der Begriff an sich ist nicht anstößig, nur unpassend. Anstößig wird er durch die Anführungszeichen, in die er gesetzt wurde. Generell habe ich auch nichts dagegen, den Blick nach vorne zu richten, solange man dadurch nicht vergisst, daran zu denken, was hinter einem liegt.

  3. Ganz genau so war es auch gemeint. Ich find’s halt nur immer schlimm, dass der Deutsche immer allem möglichen gegenüber Toleranz predigt, aber dabei vergisst, sich selbst gegenüber auch mal toleranter zu werden.

    Was vielen Deutschen einfach fehlt, ist eben ein „Zugehörigkeitsgefühl“ – so wie man es jetzt zum Beispiel bei der WM endlich mal wieder erlebt. Und das sage ich, obwohl ich mit Fußball generell nix anfangen kann. Aber eben dieses Gefühl finden (zu) viele leider nur in der rechten Szene. Und ein Gartenverein oder ein Chor ist da keine wirkliche Alternative.

    Aber das geht schon weit über das Thema hinaus. Generell fand ich das Anschwitzen halt ganz und gar nicht schlimm. Die letzten Tage habe ich hier in Kiel eher ganz schön was ausgeschwitzt. Hört sich direkt noch unpassender an, ist aber nur die Wahrheit. Und schuld war nur die Sonne. ;-)

  4. Nein, du liegst ja auch nicht falsch mit der Toleranz gegenüber sich selbst. Ich würde es aber als Eigenliebe bezeichnen. Wer sich selber nicht liebt, ist auch nicht in der Lage, andere zu lieben (oder so ähnlich zumindest).
    Ich für meinen Teil habe ein sehr ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl. ich bin verdammt glücklich darüber, Europäer zu sein.
    Angeschwitz wird bei mir nur was beim kochen. Da passt der Begriff auch. Und ausgeschwitz wird hauptsächlich beim Fieber – beim normalen und beim nationalen ;-)

  5. Mit „sich selbst“ toleranter gegenüber sein, damit wollte ich eigentlich sagen, dass der Deutsche dem Deutschen gegenüber etwas toleranter sein müsste, wenn er denn schon immer Toleranz predigt. Aber natürlich hast Du recht: Toleranz fängt immer bei einem selbst und sich selbst gegenüber an.

    Was viele meiner Freunde hier angeht, so bin ich durchaus auch stolz, ein Deutscher zu sein. Man bemerkt bei der Aussage aber sofort den bitteren Beigeschmack durch die Nazi-Parolen-Prägung, die mir aber direkt mal am Allerwertesten vorbei geht. Was den Staat, die Kriminalisierung des Bürgers, Überwachung, Bevormundung, Abgaben, Steuern und Kurzsichtigkeit durch blinden Aktionismus angeht, da bin ich allerdings ganz und gar nicht stolz, hier zu leben. Auch bürokratische Engstirnigkeit, ewiges November-Wetter (mit Ausnahme von 6 Wochen im Jahr) und eine nicht abzustreitende Scheuklappen-Mentalität bei vielen Einwohnern sind Dinge, die sich wie Bleigewichte an die Mundwinkel hängen. Aber das liegt natürlich nur an mir selbst – denn ich kann auch im Ausland stolz darauf sein, ursprünglich aus Deutschland zu stammen. So wie ich auch hier durchaus stolz auf meine russische Hälfte sein kann. Liegt immer nur an einem selbst. :-)

  6. Es ist dieser bittere Beigeschmack dieses einen Satzes, weshalb sich bei mir immer die Nackenhaare sträuben. Ein typische Linksintellektuellen Problem halt ;-)
    Womit ich dir aber recht gebe: Die Art der Selbstverleugnung in Bezug auf das eigene Land (ich bin Postbote…) ist mittlerweile typisch Deutsch. Was das Land bräuchte, wäre ein positive Imagekampagne. Aber um Gottes willen nichts, was auch nur annähernd in die Richtung von „Du bist Deutschland“ geht.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren