Irgendwo in Mexiko

Seit dem ich die Meldung am Montag bei heise.de gelesen hatte, habe ich gewartet. Gewartet auf einen Sturm der Entrüstung. Gewartet auf Reaktionen in Bloggersdorf. Mittlerweile sieht es wohl so aus, daß es einfach kein A-Thema ist, über es sich zu schreiben lohnt. Oder anders gesagt, vielleicht ist es sogar ein A-Thema, weil es den meisten daran vorbei geht.

Schließlich geht es nur um Mexiko, also quasi ein Land, das weder zur so genannten Dritten Welt gehört noch sonst wie interessant wäre – außer vielleicht um da mal billig Urlaub zu machen. Das sich an der gemeinsamen Grenzen von Mexiko und den vereinigten Staaten täglich Tragödien abspielen, wird gerne ignoriert.

Viele Mexikaner versuchen ihrer Armut und ihrem Elend dadurch zu entkommen, daß sie einen „illegal” die Grenze überqueren. Die, die es tatsächlich schaffen und nicht von US-Grenzschützern aufgegriffen werden, haben nur für den ersten Moment das große Los gezogen. Auf Grund ihres Status bleibt ihnen nur das Leben im Schatten. Arbeit finden sie wenn dann nur zu einem erbärmlichen Lohn, ohne jegliche Kranken- und Rentenversicherung. Ein Schicksal, das mit Einwandern aus anderen Nationen in vielen Ländern teilen.

Das ist zwar brutal, aber schon sehr lange so. Wirklich neu dagegen ist die Forderung des republikanischen Gouverneurs von Texas, Rick Perry, die Grenze zu Mexiko künftig mit Web-Cams auszustatten. Damit soll keine Realiy-Soap gedreht werden, sondern dadurch erhalten Internetnutzer die Möglichkeit, sich aktiv an der Jagd nach illegalen Einwanderern zu beteiligen. Wer etwas verdächtiges sieht, kann dies sogar über eine Telefonhotline melden.

Was noch fehlt, sind Fangprämien und Highscorelisten im Internet. Möglich wäre auch ein eigens dafür eingerichteter Blog und ein News-Feed. Von solchen Interaktiven Möglichkeiten, die Bürger für die Überwachung einzubinden, können anderorts Sicherheitsbehörden und Geheimdienste nur träumen.

Ehrlich gesagt finde ich es traurig. Traurig, daß Menschen überhaupt auf solche Ideen kommen und traurig, daß es in Europa nur wenige interessiert, was irgendwo in Mexiko passiert.

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