Ein Sommermärchen

Marodierende Finanzbeamte ziehen durch ein Land, welches durch die größte Steuererhöhung seit der Nachkriegszeit nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Die geschätzten Mehreinnahmen der damaligen Bundesregierung, welche die Steuererhöhung beschlossen hatte, erwiesen sich schnell als Illusion. Das zarte Pflänzchen Konjunktur erstickte an der Steuerbelastung. Die Bürger, die grenznah wohnten, flohen zum Einkaufen in die Nachbarländer. Viele von ihnen beschlossen, nach dem Einkauf nicht wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Ein Satz prägte diese erste Emigrationswelle: „Ich geh mal eben Zigaretten holen.”

Das Ausbleiben der Mehreinnahmen führte dazu, daß zehn Monate nach der ersten beschlossenen Steuererhöhung eine weitere folgte. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung stiegen parallel dazu an. Das ganze Ausmaß der Klimakatastrophe zeigte sich, als zur nächsten Spargelernte die Polen ausblieben – eine unmittelbare Folge des Spargelcents, mit dem die nach einem gescheiterten Börsengang finanziell ruinierte Bahn saniert werden sollte.

Durch die damals trotz aller Bedenken durchgesetzte Föderalismusreform verschärften sich die Probleme der dahinsiechenden Bundesrepublik weiter. Ärmere Bundesländer konnten sich eine anständige Bildung für ihre Schüler ebenso wenig leisten wie eine sichere Unterbringung von Straftätern. Dadurch, daß sich beide Gruppen kulturell bereits angenähert hatten und zum Teil auch deckungsgleich waren, beschloss Bremen als eines der ersten Länder, seine Lehrer zu entlassen und künftig Strafgefangen zum unterrichten einzusetzen. Der erhoffte Erfolg blieb leider aus, Bremen verschwand als Bundesland und wurde als Freie Republik ehemaliger Strafgefangener (FRES) wiedergeboren.

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