Zeit zu gehen

So ein bayrischer Ministerpräsident, der vor einigen Monaten wie ein feiger Hund davongelaufen ist, spielt wieder den großen Mann. Vermutlich will er die heimischen Wähler beeindrucken. Dabei hat er einfach nur noch nicht gemerkt, das es für ihn längst Zeit ist zu gehen. Die Süddeutsche Zeitung brachte auf der Titelseite heute die Überschrift „Stoiber:Beitritt der Türkei kommt nicht in Frage”.

Merkwürdig, das sich ein abgehalfterter Ministerpräsident, dessen Stern den Zenit längst überschritten hat, überhaupt dazu berechtigt fühlt, eine solche bundespolitische Äußerung zu tätigen. Niemand hat ihn dazu ermutig oder aufgerufen. Stoiber verkennt auch, daß zwischen Fundamentalismus und Fundiert Welten liegen.

Seine Äußerung ist ein fundamentalistischer Reflex, der sich in keinster Weise mit fundierten Tatsachen untermauern lässt – im Gegenteil. Am Beitritt der Türkei führt kein Weg vorbei. Es ist nicht nur ein Frage des Anstands, ein einmal gegebenes Versprechen einzuhalten (aber mit dem Brechen von solchen hat Herr Stoiber ja Erfahrungen), sondern auch eine Anerkennung der Türkei. Wie kein anderes islamisches Land ist sie eng mit der deutschen und europäischen Geschichte verbunden.

In der Bundesrepublik stellen Mitbürger türkischer Herkunft prozentual gesehen den größten Anteil der zugewanderten Menschen. Gerade für diese Menschen wäre es schwer zu verstehen, wenn der Türkei eine Aufnahme in die Europäische Union verweigert würde. Die EU kann durch den Beitritt der Türkei nur gewinnen. Nicht nur an kultureller Vielfalt, sondern sie gewinnt auch ein zuverlässiges Land mit islamischer Prägung. Das positive Signal auf den Rest der islamischen Welt sollte nicht unterschätzt werden.

Den starken Mann markiert Stoiber auch in anderer Angelegenheit. Auch in der SZ, ebenfalls auf der Titelseite ist zu lesen, daß er sich für den Kongo-Einsatz der Bundeswehr ausspricht. Vermutlich will er mit solchen Attitüden seine verlorene Männlichkeit wiederherstellen. Erneut stellt sich der Frage, wodurch er sich qualifiziert überhaupt zu diesem Thema Stellung zu nehmen. Es ist zu Schade, daß in der Föderalismusreform kein Maulkorberlass für Ministerpräsidenten, gescheiterte Kanzlerkandidaten und flüchtige Fast-Wirtschaftsminister vorgesehen ist.

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