Merkwürdiges

Gestern gab es einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit dem „Titel Brutalität macht Schule”. Es ging darin um Horrorvideos, die auf Schulhöfen von Handy zu Handy weitergereicht werden. Es mag zwar erschrecken, was dort unter Kindern und Jugendlichen kursiert, neu sind aber allenfalls die technischen Möglichkeiten.

Der Redakteur bewies in seinem ersten Absatz, daß eines der Probleme mangelndes Verständnis der Eltern für die Möglichkeiten der Technik ist – ihm selbst schien nicht klar zu sein, daß es bisher kein Handy mit eingebauter Festplatte gibt:

„Gefunden hatten sie das Material auf den Festplatten von 15 Mobiltelefonen, …”

Kontrolle ist nur dann möglich, wenn Eltern auch wissen, worüber der Nachwuchs spricht. Wer nicht auf dem neusten Stand ist, gerät ins Hintertreffen und bekommt Probleme, seinen Erziehungsauftrag wahrzunehmen.

Der falsche Weg ist es, sofort mit Verboten zu reagieren, ohne ein klärendes Gespräch zu suchen. Statt also in der Schule oder im Elternhaus Gewaltvideos zu thematisieren, wurde mit dem Vorschlaghammer gesprochen. Erschreckend dabei sind jedoch nicht die Videos, sondern die Vorgehensweise von Behörden, die im belanglosen Plauderton im Artikel geschildert wurden:

„Mehrere deutsche Internet-Anbieter haben für ihre Kunden den Zugriff auf einschlägig bekannte Seiten inzwischen gesperrt; außerdem haben sich die Betreiber fast aller deutschen Suchmaschinen bereit erklärt, per Filter das Auffinden solcher Seiten zu erschweren, …”

Moment mal. Hier wird über Zensur gesprochen. Im Zusammenhang des Artikels mag es vielleicht plausibel klingen, da dadurch Kinder vor „bösen Videos” geschützt werden. Genauso können aber auch andere Inhalte zensiert werden. Natürlich ist Deutschland nicht China. Aber es ist in den letzten Jahren einfach ein Trend zu beobachten, der eindeutig in die falsche Richtung weisst.

Erst ist es das Verständnis für einen Polizisten, der einem Entführer Folter androht. Dann wird über den Abschuss von Zivilflugzeugen und den Einsatz des Militärs im Inneren diskutiert. Schließlich werden jugendgefährdende Inhalte auf eine Weise zensiert, daß es kaum einer bemerken dürfte, der sich nicht auskennt mit den technischen Möglichkeiten der Informationsfilterung.

Was wird wohl der nächste Schritt sein?

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