Killerspiele und Computersucht

Wie jedes Jahr zur CeBIT gibt es eine erneute Diskussion um zwei Themen, die deutsche Politiker und Medien umtreibt: Die Gefährdung der Jugend durch „Killerspiele” und das Märchen von der Computersucht.

Angeblich weist ein Mensch, der etwa 35 Stunden die Woche Zeit vor dem Computer verbringt, Anzeichen einer Sucht auf. Merkwürdig. Nach der Definition sind also ganze Heerscharen von Arbeitnehmer süchtig – möglicherweise werden sie sogar von ihrem Arbeitgeber zu Sucht gezwungen. Gut, es kann sein, daß sich die 35 Stunden auf die Zeit beziehen, die nicht beruflich mit dem Computer verbracht werden. Aber selbst dann ist es mehr als vermessen, ein Suchtverhalten zu unterstellen.

Denn wenn die Zeit Maßstab ist, dann wären auch die Menschen süchtig, die mehr als 35 Stunden die Woche mit ihrem Auto verbringen. Selbst wenn der Faktor der angeblichen sozialen Isolierung dazu kommt, kann noch lange nicht von einer Computersucht gesprochen werden. Auch das Lesen von Büchern macht einsam. Mit Büchern kann dazu auch problemlos viel Zeit verbracht werden. Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, von einer Büchersucht zu sprechen.

Bücher sind genauso wie der Computer ein Medium der Informationsaufnahme. Im Unterschied zum Buch kann der Computer aber auch zur Kommunikation genutzt werden. Wird er zum spielen verwendet, steht direkt ein anderer Begriff im Raum: böse Killerspiele, die leichtgläubige und labile Menschen in rasenden Tötungsmaschine verwandeln. Hemmungslos werden ahnungslose Nachbarn dahin gemetzelt. Süchtig macht das Ganze auch noch.

Solche Ideen sind einfach nur absurd. Aber nicht nur das. Sie sind auch alt. Erst waren es die Bücher, die so gefährlich waren, dann das Radio, die Comics, der Fernseher und jetzt halt Computer und Computerspiele. Immer wieder die gleichen falschen Argumente. Es wäre mal an der Zeit, entweder neue, wirklich beweiskräftige Argumente zu finden oder aber die Strategie zu verändern.

Neue Medien sind nicht per se gefährlich für die Jugend und machen auch nicht süchtig. Sie sind nur anders und erfordern eine Änderung der Denkweise. Das Festhalten an alten Mustern erweist sich dabei wie ein Stein im Fluss der Entwicklung – er behindert.

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