Rassismus

Zu den unschönen Vorwürfen, die einem gemacht werden können, gehört sicherlich auch der, Rassist zu sein. Schlimm vor allem, wenn der Rassisten-Stempel dafür genutzt wird, um andere Menschen mundtot zu machen. Die meisten werden sich erstmal erschrecken, wenn mit dem Finger auf sie gezeigt wird und Lauthals „Rassist, Rassist!” gebrüllt wird.

Sicher ist es nicht einfach, bei Meinungsfreiheit die Grenzen zu ziehen zwischen harmlos, geschmacklos und rassistisch. Nur darf keinesfalls aus Bequemlichkeit sofort alles, was einem nicht passt, mit einem falschen Etiket versehen werden. Das Thema „Karikaturen von Propheten und solche, die es werden wollen, aber niemals sein werden” kocht nicht nur sehr heiß, sondern kocht über. Es würde niemanden verwundern, wenn der Begriff „Mohammed Karikaturen” momentan in der Statistik von Google ganz oben stände.

Günther Grass liegt falsch, wenn er dem Westen Arroganz vorwirft und eine Paralele von den dänischen Karikaturen zu Abbildungen von Juden im „Stürmer” zieht. Wenn überhaupt die öffentliche Meinung monopolisiert und als Waffe eingesetzt wird, dann wohl eher in demokratiefeindlichen Regimen.

Von Ayan Hirsi, die zusammen mit Theo van Gogh den islamkritischen Film „Submission” gedreht hat ist zu hören, daß sie sich vehement für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzt. Sie bezeichnet in Berlin im Rahmen einer Pressekonferenz die westlichen Demokratie als mutlos. Noch immer muss sie wegen ihrer Äußerungen um ihr Leben fürchten. Theo van Gogh wurde bereits wegen des Filmes ermordet.

Nicht vergessen werden sollte auch Salman Rushdie, der unter Polizeischutz steht, seit dem wegen seines Buches „Die satanischen Verse” über ihn ein Todesurteil verhängt wurde. Es ist daher wirklich rassistisch, dran zu erinnern? Seine Stimme für die Freiheit zu erheben? Hat nicht jeder die Pflicht, Grundwerte und Menschenrechte zu verteidigen?

Die Antwort liegt auf der Hand. Das bestehende, nicht nur wirtschaftliche, Ungleichgewicht zwischen den als westlich bezeichneten Ländern und der islamischen Welt lässt sich nicht leugnen. Für einige nicht wenige Ursachen trägt der Westen die Schuld. Die gesamte Aufteilung des Nahen Ostens, die künstliche Ziehung von Grenzen nach den Weltkriegen war ein historischer Fehler. Ebenso wie die kulturelle Unterdrückung islamischer Ländern und die jahrhundertelange Geringschätzung ihres Glaubens, die sich von den Kreuzfahrern bis in die Neuzeit hineinzieht.

Historisch betrachtet hat die Welt der islamischen Kultur eine Menge zu verdanken. Während im „zivilisierten” Westen die Menschen das Wasser wie der Teufel das Weihwasser scheuten, war Körperhygiene im Morgenland schon längst bekannt. Die Errungenschaften aus der Medizin und der Astrologie sind zahlreich. Was wäre die moderne Mathematik ohne die als arabisch bezeichneten Zahlen?

Irgendwann aber, im Verlauf der Jahrhunderte, hat die arabische Welt ihre Führungsposition verloren. Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist aber hausgemacht. Jede Gesellschaft benötigt zum Überleben sowohl statische als auch dynamische Elemente. Ohne beide gibt es keine Weiterentwicklung. Zuviel des einen sorgt für Stillstand, zu viel des anderen für Chaos. Ohne die Epoche der Aufklärung würde Europa auch immer noch im Stillstand verharren. Eine wesentliche Weiterentwicklungen wäre unmöglich gewesen.

Es gehört zur unumstößlichen Natur der menschlichen Gattung, sich weiter zu entwickeln und nach höherem zu streben. Dieses zu leugnen heißt, den Menschen an sich zu verneinen. Das Überleben unserer Spezies hängt von der Weiterentwicklung ab. Stillstand gefährdet dieses Weiterentwicklung. Den Stillstand anzuprangern, Traditionen, die gefährlich sind oder andere Menschen unnötig einengen, zu hinterfragen, hat daher nichts mit Rassismus zu tun.

Kritik ist lebenswichtig. Wer Kritiker tötet, macht sich zum Feind aller Menschen.

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