Abschied von den Idealen

Wenn eine Partei dazu aufgerufen wird, ihre Ideale über Bord zu werfen, lautet die euphemistische Formulierung dazu dann

„die Idee der sozialen Demokratie grundlegend erneuern”

So jedenfalls hätte es der SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck gerne. Ein solcher Kurs kann kaum als „weltoffene Politik der linken Mitte bezeichnet” werden. Besonders dann nicht, wenn Platzeck behauptet, in der Vergangenheit seien nostalgisch und uneinlösbare Sicherheitsversprechen gemacht worden.

Eine Politik, die die Menschen Ernst nimmt, um ihre Ängste und Sorgen weiß und sich für die Schwachen in dieser Gesellschaft stark macht, ist auch keine

„fahrlässigen Verheißungen der marktradikalen Ideologie”

Wer so redet, will vor allem eins. Seine Bewerbung als Kanzlerkandidat damit formulieren und wieder besseren Wissens den Kurs fortsetzen, der bei der letzten Bundestagswahl der SPD viele Stimmen gekostet hat. Platzeck gilt als Lieblingsnachfolger von Gerhard Schröder. Die gleichen Fehler sollte er aber nicht machen, wenn er der SPD nicht ihr Gesicht nehmen will. Der Dauerhafte Schaden, der durch solche Äußerungen am Wesen der Sozialdemokratie angerichtet wird, ist nur schwer wieder gut zu machen.

Der Kabarettist Bruno Jonas formuliert das vor ein paar Wochen sehr schön in einer Sendung. Seiner Meinung nach wäre es an der Zeit, eine neue Interessengruppe in der SPD zu gründen: Sozialdemokraten in der SPD.

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