Kleines M

Heute nacht, so gegen 2 Uhr. Wie üblich mal wieder wach geworden und mit müden Schritten zur Toilette geschlichen. Unter mir hörte ich Schreie. Die kleine zweijährige Tochter unserer Nachbarn. Herzzerreissendes Geschrei. Es ist nicht das erste Mal, daß ich sie nachts so höre.

Vor ein paar Monaten wurden im Haus immer wieder laut Türen geknallt. Nadine hatte sich dann bemüht herauszufinden, wer dafür verantwortlich ist. Die Mutter von der kleinen M. sagte, daß M. sich momentan in einer Trotzphase befinde und daher die Türen schlage. Kurze Zeit später hörte das Türenschlagen auf.

Immer wieder ist M. zu hören. Weinend, schreiend. Es kann sein, daß das in dem Alter normal ist. Mir fällt es schwer, daß zu beurteilen, da wir selber keine Kinder haben. Aber ich bin kein Einzelkind. Ich habe einen fünf Jahre jüngeren Bruder. Als ich sieben Jahre alt war, war er demnach zwei. Soweit es mir möglich ist mich zu erinnern, hat mein Bruder in dem Alter nicht mitten in der Nacht geschrien und geweint. Vor allem nicht 20 Minuten und länger.

Eine Menge beunruhigender Gedanken gehen durch meinen Kopf. Es kann wirklich alles im grünen Berei ch sein. Genauso kann, um es mal auf den Punkt zu bringen, daß Kind misshandelt werden. Aus sehr vielen Gründe möchte ich nicht in der Zeitung lesen: „Kind monatelang misshandelt – die Nachbarn schwiegen” zusammen mit dem Bild von dem Haus, wo wird wohnen. Während ich überlege, wie ich am besten reagieren, vorgehen soll, vergeht Zeit. Zeit in der ein Mensch leidet oder – eben nicht leidet sondern nur trotzig ist.

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