Ein nicht abgeschickter Brief

Lieber Gerhard,

ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn ich dich duze, aber ich war mal im gleichen Bausparverein wie du. Meine Sympathie mit dir in den letzten sieben Jahren unterlag starken Schwankungen. Die Hoffnung, die ich anfänglich in dich gesetzt hatte, wurde leider enttäuscht. Trotzdem gab es aber immer wieder Moment, wo mir deine Haltung ein respektvoll zustimmendes Nicken abrang. So zum Beispiel in der Frage danach, ob deutsche Soldaten in den Irak geschickt werden.

Am Wahlabend, während andere bereits über dein angeblich arrogantes Verhalten lamentierten, hielt ich dich für einen coolen Hund. Jetzt, wo du an Schwelle zu einer neuen Aufgabe stehst, muß ich mein Bild von dir abermals revidieren. Es war nicht klug, den Posten im Aufsichtsrat von NEGPC anzunehmen. Nur noch dumm und unverschämt ist jetzt dein Verhalten gegenüber berechtigter Kritik. Vor allem die Drohung mit einem Rechtsanwalt finde unpassend.

Wer mit dem Fingern im Honigtopf erwischt wird, sollte weder seine Tat leugnen noch anderen Schuld und Verantwortung andichten. Nur wer aufrichtige Reue zeigt, dem wird vergeben.

Zu Weihnachten wünsche ich mir von dir, daß du dich in deinem schicken Reihenhaus in Hannover in eine Ecke stellst und zumindest ein Wenig schämst.

Solltest du aber weiter drauf beharren, im Recht zu sein, wird dies deiner Partei dauerhaften und schweren Schaden zufügen. Viel mehr Schaden, als es andere Parteien zugefügt hätte. Versuch dich bitte daran zu erinnern, wofür das S in SPD steht.

Als Alternative bleibt dir immer noch, zum Jahresanfang dein Parteibuch zurück zugeben.

Das alles ist weder hart noch ungerecht oder unberechtigt. Versuch dich mal daran zu erinnern mit deinen nun 61 Jahren, wie der Gerhard Schröder von damals mal war. Der Juso-Vorsitzende von einst. Was hätte er wohl zu dem Verhalten von dir heute gesagt?

Sicher, Menschen ändern sich. Manchmal sogar zum Bessern. Deswegen gibt es bei mir noch einen kleinen Funken Hoffnung, daß du deinen Fehler einsiehst und handelst, wie es sich für einen ehemaligen Bundeskanzler gehört.

Mit sozialdemokratischen Grüßen,

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