Interview der Woche

In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung befindet sich im Wirtschaftsteil ein Interview mit Henning Kagermann, Vorstandsvorsitzender von SAP. Ein paar Passage sind gut dazu geeignet, einen durch kalten Regen hervorgerufenen Zustand zu verstärken und den Adventssonntag zu verleiden. Für den Fall, daß jemand viel zu gute Laune hat und ein paar Tiefschläge benötigt, habe ich ein paar Highlights zusammengetragen.

SZ:Nennen Sie ein Beispiel für Hindernisse, auf die sie in Deutschland treffen.
Kagermann:Nehmen Sie die Arbeitszeiten. Es kommt oft vor, dass die Leute bei uns länger arbeiten wollen.

Da steht tatsächlich „wollen”, nicht „müssen”. Macht ja auch so viel Spaß, Überstunden zu schieben. Familie ist nur was für Warmduscher. Und wer eine hat, ist vermutlich froh, wenn er die mal nicht sehen muß.

SZ:Aber der Staat muss die Menschen vor Ausbeutung schützen.
Kagermann:Bei uns nicht. Ich habe natürlich Verständnis dafür, wenn der Staat Umwelt oder Menschen vor Ausbeutung schütz. Bei uns arbeiten etwa 80 Prozent Akademiker, die über sich selbst bestimmen könne. Man muss sie nicht vor der Firma schützen.

Mhm, lässt sich daraus eventuell ableiten, daß Akademiker keine Menschen sind? Oder neigen Akademiker dazu, sich selber für die Firma auszubeuten?

SZ:Können Sie verstehen, dass die Menschen Angst vor der Globalisierung haben, weil sie um ihre Arbeitsplätze fürchten?
Kagermann:Das versteh ich. Angst zu haben, ist menschlich. Aber ich glaube auch, dass Politiker und Wirtschaft den Menschen noch stärker klarmachen müssen, wie wir zu mehr Arbeitsplätzen kommen.

Aus diesen Sätzen spricht zu uns die kalte Arroganz des Wohlhabenden und Mächtigen. Angst ist nur ein Standortfaktor. Ist halt Pech, wenn ein paar Mitarbeiter über die Klinge springen müssen. Hauptsache, die Investoren sind zufrieden und der Börsenkurs stimmt.

SZ:Aber auch SAP verlagert Arbeitsplätze ins Ausland.
Kagermann:Wir verlegen keine Arbeitsplätze ins Ausland. Als globales Unternehmen stellen wir im In- und Ausland ein.

Wow! Den Satz muß ich mir merken. Euphemistischer lässt sich der Abbau von Arbeitsplätze im Inland wohl kaum verschleiern.

Be all den Aussagen sollte nicht unerwähnt bleiben, daß SAP eine Umsatzrendite von mehr als 20 Prozent hat. Manche bekommen halt den Hals nicht voll genug, egal ob dafür andere mit Hungerbäuchen durch Slums laufen müssen.

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