Trüffelschweine

Bei der Agentur für Arbeit(slosigkeit) habe ich mir telefonisch einen Termin zur Abgabe meines Antrags auf Arbeitslosengeld besorgt. Donnerstag darf ich dort aufmaschieren und meine Unterlagen abgeben. Ein paar Fragen zu den Formularen habe ich noch. Wenig empfehlenswert wäre es, bei der Begrüßung direkt zu sagen, worum es eigentlich geht: „Guten Tag, ich werde ihnen die nächsten 12 Monate auf der Tasche liegen.”

Vor allem wäre es eine völlig falsche Auffassung. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, daß die überwältigende Mehrheit der Bezieher von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II arbeiten wollen. Ihre Beziehung zur Agentur ist daher ähnlich wie die eines Gläubigen. Mit großen Schuldgefühlen gehen die einen zur Kirche und die anderen zur Agentur. Natürlich gibt es Menschen, die sie auf Kosten anderer bedienen. Die betuppen dann beim Alg. II oder greifen während der Messe in den Klingelbeutel.

Aber nur weil es ein paar machen, sollten niemand versuchen, diese Verhaltensmuster zu pauschalisieren (schönen Gruß an Herrn Clement). Abgesehen davon sollte auch nicht vergessen werden, daß das Arbeitslosengeld I eine Versicherungsleistung ist, für die vorher über Jahre eingezahlt wurde.
Relativ unschön sind die Vergleiche Arbeitssuchender mit Trüffelschweinen. Bei der Suche nach einem neuen Job sucht sich keiner nur das Beste raus, sondern schraubt von ganz alleine seine Ansprüche zurück. Redewendungen wie „zumutbare Arbeit” sind da völlig fehl am Platz.

Es wird oft übersehen, daß es deutliche Parallelen zwischen Katholiken und Arbeitslosen gibt. Demut, Schuldgefühl und Dankbarkeit werden beiden Gruppen schon vom ersten Tag an eingeimpft. Beide Gruppen stehen auch in der Mitte unserer Gesellschaft und sind keine Randerscheinung. Allerdings gilt der katholische Glauben als gesellschaftlich akzeptiert. Niemand muss mehr seine Religion vor den Nachbarn verbergen oder Fische an Hauswände malen. So gesehen befinden sich Arbeitslos noch im alten Rom. Zukünftig via Rasterfahndung verfolgt fehlen eigentlich nur noch öffentliche Schauprozesse oder blutige Löwennummern.

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