Pennäler Poetik

Pennäler Poetik

Wie schon vor ein paar Tagen erwähnt, war gestern der Start für die Kampagne „Du bist Deutschland”. Mittlerweile wird fleißig darüber hergefallen – Zeit also, sich mit den Inhalten der Kampagne zu beschäftigten.

Zunächst einmal das Motto. Es gab da doch mal einen Anstifter Anstreicher aus Österreich, der auch auch mit ähnlicher Aussage geworben hat. Aber der hatte ein anderes Logo. Das der Kampagne sieht nach einem schlaffen Brötchen mit Rostbratwurst und Olive obendrauf aus. Oder nach einem Männchen, daß so schnell es geht weglaufen möchte. Was mit einem Blick auf das Manifest ja auch nachvollziehbar ist. In dem Zusammenhang von primitiver Pennäler Poetik zu sprechen, beleidigt schon fast die Pennäler. Schon der erste Satz lässt sich schwer unterbieten:

„Ein Schmetterling kann einen Taifun auslösen.”

Mhm, heißt der Taifun dann Katrina oder Rita? Vielleicht sollte George Bush statt Terroristen jetzt Schmetterlinge bekämpfen. Das Bild vom Schmetterling ist schon so alt, daß es keinen Bart mehr hat, sondern bereits komisch riecht.

„Weil aus deiner Flagge viele werden und aus deiner Stimme ein ganzer Chor.”

Hoffentlich singt der dann nicht das Horst-Wessel Lied.

„Dein Wille ist wie Feuer unterm Hintern.”

Klingt wie ein Teil einer Predigt auf dem Kirchentag. Nur das den Pastoren und Besuchern dort mehr Ehrlichkeit unterstellt werden kann.

„Unsere Zeit schmeckt nicht nach Zuckerwatte.”

Wobei die Konsistenz der Zuckerwatte stark an den Filz in Politik und Wirtschaft erinnern würde.

„Deutschland hat genug Hände, um sie einander zu reichen und anzupacken.”

Da ist es wieder, das „Wenn viele kleine Menschen viele kleine Schritte tun…”. Abgedroschen, abgekupfert – Deckel hoch und ab damit in den Abfluss.

Jetzt wird es so richtig zynisch:

„Gibt nicht nur auf der Autobahn Gas. Geh runter von der Bremse. Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Deutschlandbahn.”

Angesichts von weltweit 1,2 Millionen Opfern (Deutschland: etwa 6.000) von Verkehrsunfällen nicht gerade angebracht. Besonders, wenn im dem Werbespot der Kampagne dies von einem Kind gefordert wird. Zur Erinnerung: gerade Kinder sind im Straßenverkehr besonders gefährdet.

„Behandle Dein Land doch einfach wie einen guten Freund.”

Einem guten Freund kann auch mal ordentlich die Meinung gesagt werden. Insofern ist Meckern erlaubt. Weiter geht aus dem Führerbunker mit Durchhalteparolen, die auch von Scientology kommen könnten:

„Bring die beste Leistung, zu der Du Fähig bist. Und wenn du damit fertig bist, übertriff Dich selbst.”

Meine Güte, wenn das das Beste ist, was 25 Medienunternehmen zu Stande bringen könne, dann ist das kein Wunder von Deutschland, sondern ein Grund zum Auswandern. Auch wenn der Verlag der Frankfurter Allgemein Zeitung sich an „Du bist Deutschland” beteiligt – dahinter steckt wahrlich kein kluger Kopf. Ärglich auch, daß ARD und ZDF auf diese Weise GEZ-Gebühren verschwenden und damit die meisten Fernsehbesitzer daher auch noch diesen Dummfug mitfinanziert haben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren