Studiendummfug

Grundsätzliches ist es wenig empfehlenswert, bei der Nahrungsaufnahme Zeitung zu lesen, da die Lektüre zu unerwarteten Erstickungsanfällen (ok, niemand erwartet seine Erstickungsanfälle, also kann das unerwartet auch gestrichen werden) führen kann. Gutes Beispiel dafür (bitte Getränke auch außer Reichweite stellen) ist ein Bericht über die Einführung von Studiengebühren in Baden-Würtenberg in der Süddeutschen Zeitung (nein ich bekomme immer noch kein Geld dafür, daß ich deren Namen so häufig erwähnen – im Gegenteil, ich muß mein Abo zum Vollpreis bezahlen). Im Zusammenhang mit der Situation in Nordrhein-Westfalen und der im Koalitionsvertrag von CDU und FDP dokumentierten Absicht, Bafög-Empfänger von den Studiengebühren zu befreien, war folgendes zu lesen:

„Das Kabinet in Düsseldorf beriet nun darüber, zumindest Bafög-Empfänger mit geringer Förderhöhe zu verpflichten, Gebühren zu bezahlen. Dies sei eine Frage der Gerechtigkeit.”

Eigenartige Vorstellung von Gerechtigkeit. Nehmen wir mal ein praktisches Beispiel. Michael bekommt nur wenig Bafög, da seine Eltern nicht so wenig verdienen, daß es für Höchstsatz reichen würde. Die Eltern von Michael sind der Meinung, daß Michael ihnen schon lange genug auf der Tasche gelegen hat und unterstützen ihn außer mit mahnenden Worten, sein Studium möglichst schnell abzuschließen, nicht. Deshalb, und weil er seine Eltern nicht verklagen möchte, jobbt Michael neben dem Studium.

Zur Belohnung darf Michael bald Studiengebühren bezahlen. Das wird dazu führen, das er noch mehr arbeiten muß und sich das Risiko erhöht, daß Michael sein Studium abbrechen wird. Wenn Michael „Glück” hat, wird es bald ein Modell der Studienfinanzierung geben, mit dem er dann auf Kredit studieren kann. Damit hat Michael dann nach seinem Studium zwar noch lange keinen Arbeitsplatz, aber so viel Schulden, daß er Dank Schufa-Eintrag noch niemals mehr einen Auto-Kredit bekommt.

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