Aufgebrüht

Aufgebrüht

Auch wenn es schon von anderen X-Mal gebracht wurde, auch noch mal an dieser Stelle eines der bekanntesten Zitate von Paul Kirchhof – besser bekannt als der Professor aus Heidelberg, parteiloses Mitglied im Kompetenzteam von Angel Merkel:

„Die Mutter macht in ihrer Familie Kariere, die nicht Macht, sondern Freundschaft verheißt, nicht Geld, sondern Glück bringt.”

Liebe Wählerinnen in Deutschland, nur weil Merkel von sich behauptet, es sei eine Frau, bedeutet das noch lange nicht, daß es nach der Wahl in der Regierungsverantwortung, gar als Kanzlerin, auch Frauenpolitik oder auch nur ansatzweise frauenfördernde Politik macht. Wer sich wie Merkel so einen Kuckuck wie Kirchhof ins Nest holt, wird vermutlich nach dem Motto verfahren, dass die Bedingungen für Frauen so schlecht nicht sein können, denn schließlich ist es Kanzlerin geworden. Um die Unterschiede in der Entlohnung für gleiche Arbeit abzuschaffen, um mehr Frauen in Spitzenpositionen zu bringen, dafür ist die CDU die falsche Partei. Im freien Wettbewerb der Ideen und Modelle gibt es noch anderen Parteien, die deutlich stärker Position dazu nehmen, wie sie sich die immer noch notwendige Förderung von Frauen vorstellen.

Es geht dabei nicht nur um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, denn das impliziert bei den meisten immer noch, daß die Frau arbeitet und zu Hause den Laden schmeißt. Es geht vielmehr darum, daß auch Männer ermuntert werden, sich um die Kinder zu kümmern, daß Männer zu Hause bleiben statt der Frauen, Frauen das Geld nach Hause bringen, während die „Krone der Schöpfung” den Haushalt schmeißt und die Kinder aus der KiTa abholt.

Wer das nicht will, wählt CDU. Für alle anderen gibt es Alternativen.

4 Replies to “Aufgebrüht”

  1. Sorry, das Kirchhoff-Zitat ist falsch – absichtlich oder nicht: Es ist ein Musterbeispiel dafür, wie wörtliche Teilzitate sinn-entstellend mißbraucht werden können, wenn man sie aus dem zum Verständnis notwendigen Zusammenhang reißt.

    Das Zitat stammt aus dem Vorwort des Buchs „Abenteuer Familie“ von Jürgen und Martine Liminski. Die Familie hat zehn Kinder, die Mutter bekennt sich zu der bewußt getroffenen (klassischen) Arbeitsteilung (Mutter zu Hause, Vater verdient Geld). Kirchhoff beschreibt in dem zitierten Wortlaut die Situation in dieser Familie, seine Formulierung ist konkrete BEOBACHTUNG, eben NICHT FORDERUNG oder allgemeine Feststellung!

    Das Zitat kommt mir vor wie wenn man sagte in der Bibel stünde „Es gibt keinen Gott“. Das steht da sogar wörtlich – irritierend, oder? Tatsächlich steht in einem Psalm „Es gibt keinen Gott, spricht der Narr.“

    Soviel zu Kunst des falsch zitierens…

    Ansonsten teile ich die Meinung, daß es darum geht, daß „auch Männer ermuntert werden, sich um die Kinder zu kümmern“. Bin selber Vater und weiß, das das nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung der Frauen ist, sondern tatsächlich auch Aspekte der Emanzipation von Männern hat. Ich möchte auf die Kinder-Teil meines Lebens nicht verzichten müssen!

  2. Das Zitat ist so aus der SZ vom 6. September übernommen. Über dieses Zitat würde bereits an andere Stelle im Netz fleißig diskutiert und auch klar gestellt, daß Herr Kirchhof im Vorwort des besagten Buches nicht nur beobachtet, sondern seine Meinung kundtut.

    Unabhängig davon kursieren noch anderen Aussagen von ihm, die in die gleiche, konservative Richtung gehen und sein Bild einer „idealen“ Familie zeigen:

    „Wer sich allein des Berufes wegen gegen ein Kind entscheidet, sollte sorgfältig bedenken, ob er damit nicht seiner Biografie einen weniger glücklichen Verlauf gibt“ [ KIRCHHOF, Paul (2001): Wer Kinder hat, ist angeschmiert.
    Die kinderfeindliche Gesellschaft zerstört sich selbst,
    in: Die ZEIT Nr.3 v. 11.01.]

    „Das Kind verkörpert Erneuerungsfähigkeit und Zukunftshoffnung; Kinderlosigkeit steht für Resignation und kollektive Selbstaufgabe. “
    [ KIRCHHOF, Paul (2001): Vater Staat ohne Kinder.
    Ein paar uncharmante Anmerkungen zu einem ernsten Problem,
    in: Tagesspiegel v. 23.08.]

    „Wenn wir das Stimmengewicht von Eltern stärken, so rücken wir den Gedanken in den Vordergrund, dass diese Menschen mehr Verantwortung für die Gesellschaft tragen als andere.“

    [ KÜHNE, Hartmut (2002): Paul Kirchhoff: „Die Rechtsordnung ist zukunftsoffener“,
    in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 21.11.]

    Danke an single-generation.de, aus deren Zusammenstellung ich mich bedient habe.

    Wer fleißig sucht, findet auch noch eine Menge anderer Information zu Kirchhof. Damit kann dann wohl auch nicht mehr behauptet werden, daß er nur beobachtet, sondern das er ganz klar im Vorwort des Buches Stellung bezieht. Auch wenn das Zitat aus dem Kontext gerissen wurde – wenn der gesamte Kontext, der weit über das Buch hinausgeht betrachtet wird, dann wird seine rückwärtsgewandte Haltung deutlich.

    Zum lesen auch noch mal hier einen Artikel in der SZ dazu:
    http://www.sueddeutsche.de/,kulm3/kultur/artikel/982/59923/

  3. Ich nehme tatsächlich auch an, daß Kirchhoff eine Vorstellung von einer idealen Familie hat, diese Meinung ofensiv vertritt und dafür tatsächlich auch wirbt. Schon die Tatsache, daß er für das besagte Buch ein Vorwort schreibt zeigt ja, daß er diesem Lebensentwurf mindestens Sympathie entgegenbringt. Aber warum sollte er das nicht?

    Die wesentliche Frage ist doch, ob duch die Dinge, die er politisch vertritt und fordert, die Möglichkeiten von Frauen (oder auch Männern), ihr Leben individuell zu gestalten, tendenziell einseitig eingeschränkt würden oder nicht. Einige Kirchhoff-Positionen sehe ich als problematisch oder auch falsch an(Familienwahlrecht ist so ein Punkt). Nur diese Diskussion zum Thema „Frauen an den Herd“ im Zusammenhang mit dem einen, unvollständigen Vorwort-Zitat emfinde ich inzwischen als wirklich unerfreulich. Hinsichtlich der finanziellen Absicherung von erziehenden (nicht erwerbstätigen) Frauen (oder Männern?) hat Kirchhoff ebenfalls Positionen formuliert, die der Eindruck, Frauen an den Herd ‚abschieben‘ zu wollen, klar zuwiderläuft.

    Ich kenne Frauen, die darunter leiden, nach dem ‚Kinderkriegen‘ nicht wieder berufstätig sein zu können (aus verschiedenen Gründen). Meine eigene Frau war glücklich, sich eine Elternzeit für sich und die Kinder NEHMEN ZU KÖNNEN.

    Kindergarten- und Betreungsplätze sind notwendig, der Mangel mancherorts fast unerträglich. Wiedereinstig in den Beruf muß möglich sein / ermöglicht werden. Eine Entscheidung FÜR (mehr) Zeit für die Familie auf Kosten des Jobs aber ebenso! Das potentielle ‚Risiko Kinder‘ sollte einer aktiven Familienförderung weichen, die Lebenszeit mit Kindern sollte Spielraum für unterschiedliche Lebensentwürfe lassen bzw. gewähren.

    Das, was ich von (statt über) Kirchhoff lese, macht mich glauben, daß Kirchhoff das ähnlich sieht.

    Ich kenne Leute, die unter ihren Kindern leiden, ich kenne mehr Leute, die darunter leiden, keine Kinder haben zu können.

    Ich selbst sehe für mich die Familie mit Kindern als ideale Lebensform an, und zwar zunächst sicher nicht aus volkswirtschaftlichen Gründen! Volkswirtschaftlich ist Kinderlosigkeit (besser: Kinderarmut im Sinne von ‚zu wenige‘) sicher eines unserer großen Probleme. Ist das in der Konsequenz reaktionär?

  4. Ich lass das jetzt mal im wesentlich unkommentiert, da bis auf den Streitpunkt über das Kirchhof Zitat unsere Meinung nicht soweit voneinander entfernt sind. Vielleicht stört es mich einfach, daß es kein Buch über ein Familie war, wo der Mann den Haushalt mit 10 Kindern geschmissen hat während die Frau ihrem Beruf nachgegangen ist. Ein Klischee wird dadurch nicht verlockender, daß es X-Mal wiederholt wird.

    Frau Merkel kennt ihren Experten aber nur sehr schlecht, wenn sie über ihn sagt, daß er vier Töchter hat, denn tatsächlich hat er nur zwei Töchter und zwei Söhne. Aber das nur am Rande.

    Zum Thema Auszeit gibt es sehr schöne Lösungen aus den skandinavischen Ländern – da muß kein Rad neu erfunden werden. Ein interessante Idee (von der ich leider nicht mehr weiß, wo sie herkommt) fand ich in diesem Zusammenhang noch, einem (oder beiden) Elternteil(en) einfach eine staatlich finanzierte Auszeit mit garantierter Rückkehr in den beruf zu ermöglichen.

    Die Finanzierung dafür war auch recht einfach. Wenn jemand fünf Jahre pausiert, um sich um die Kinder zu kümmern, muß er fünf Jahre länger als das gesetzliche Rentenalter arbeiten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren