Treck nach Süden

Treck nach Süden

Die Bundesagentur für Arbeit (-slosigkeit) gibt heute die neuen Arbeitslosenzahlen bekannt. Offiziell ist die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozent gesunken. In einem Artikel (nur Printausgabe) der Süddeutschen Zeitung gab es dazu im Wirtschaftsteil eine sehr aufschlussreiche Grafik. Nicht wirklich neu ist das Bild eines geteilten Deutschlands. Bei der Arbeitslosigkeit gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle und ein ein Nord-Süd-Gefälle. Während im Osten mit hoher Durchschnittsarbeitslosigkeit nur Rot zu sehen ist, befindet sich der Süden im grünen Bereich (nur statistisch, nicht politisch). Dort finden sich die meisten Bezirke mit günstiger Arbeitsmarktlage.

Würde man über Deutschland einen Film drehen und wäre der Film ein Western, dann würde sich jetzt der Treck der Goldsucher auf in den Süden machen – eigentlich wäre dann der Film kein Western, sondern ein Südern. Im Film wäre das sicher spannend zu sehen, wie Scharen von Menschen, die der deutschen Sprache mächtig sind Hochdeutsch sprechen ins tiefste Bayern einfallen.

Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Die meisten Menschen sind nicht so mobil wie die Pioniere mit ihren Pferdewagen. Sie sind durch Freunde, Familie und Partner gebunden und wollen sich nicht entwurzeln lassen. Sie sind im Verlauf ihrer kulturellen Entwicklung nicht sesshaft geworden, um nun wieder wie die Nomaden der Arbeit hinterherzuziehen. Bei der Suche nach Arbeit hat jeder seine persönliche Schmerzgrenze. Die meisten suchen nicht nur Wohnortnah nach einer Stelle, sondern sind im Rahmen dieser Schmerzgrenzen durchaus bereit, täglich zu pendeln. Nur wer ungebunden ist, kann sich bundesweit nach einem Arbeitsplatz umsehen.

Der Treck nach Süden wird daher ausbleiben. Ohne Anreize werden aber auch die Arbeitgeber keine Arbeistplätze in den strukturschwachen Regionen schaffen. Problematisch bei Anreizen ist jedoch, dass sie Firmen dazu verführen, von einem Honigtopf zum nächsten zu wandern (es gab da mal einen biblischen Vergleich). Eine Chance könnte es sein, Klein- und Mittelständische Betriebe in den Regionen mit hoher Arbeistlosigkeit Maßnahmen zur Seite zu stellen, die zur einer Schaffung von Arbeitsplätzen führen. Durch ihre eigene regionale Bedindung besteht bei den KMU`s nicht eine so große Gefahr, dass sie nur zum Plündern der Töpfe Stellen schaffen und diese wieder abbauen, wenn sie weiterziehen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren