Neuwahlen

Neuwahlen

Die Flucht nach Vorne der Regierung Schröder. Die Frage dabei ist nur, was es der SPD, was es dem Land bringen wird. Sicher, es ist der SPD gelungen, die CDU in Zugzwang zu bringen. Sie muss sich früher als eigentlich geplant zur Person der Kanzlerkandidatin / des Kanzlerkandidaten äußern als ursprünglich geplant. Auf der anderen Seite steht aber, dass das Vorziehen der Wahl (was sich Verfassungsrechtlich zumindest in der Grauzone befindet) nicht ein Zeichen der Schwäche statt der Stärke ist. Die Regierung wirkt wie ein beleidigtes Kind das jetzt nicht mehr mit den anderen spielen will.

Von vielen werden die vorgezogenen Neuwahlen als Befreiungsschlag betrachtet, als Signal, dass es jetzt wieder aufwärts geht. Komisch nur, dass ich das vor sieben Jahren auch so empfunden habe, als Rot-Grün zum ersten mal an die Macht kam und die Regierung unter Kohl abgelöst hatte. Meine Hoffnungen von damals sind verflogen. Auch eine CDU-FDP-Regierung wird an der Gesamtsituation nichts ändern, sondern nur andere Akzente setzten. Was Deutschland wirklich braucht, ist ein Wechsel in den Köpfen der Politiker. Fraglich, ob das überhaupt mit dem zur Wahl stehenden Personal möglich ist. Zur Lösung der Probleme sind Politiker mit diplomatischem Geschick erforderlich, die nicht sich, sondern die Sache in den Vordergrund stellen. Politiker, die über Fraktionsgrenzen hinweg das Wohl aller Menschen in Deutschland im Herzen haben und entsprechend handeln. Politiker, die sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber, überzeugen können. Politiker, alle in Deutschland lebenden Menschen gleich welcher Herkunft und Religion für eine gemeinsame Vision begeistern können. Politiker, die wissen, welche wichtige Rolle die Europäische Gemeinschaft international spielen könnte, wenn man ihrer Idee endlich gerecht würde.

Deutschland und Europa erfordert eine Typus Politiker, der über seine eigene Amtszeit hinaus das Wohl der Menschen im Auge hat. Der eine langfristige Strategie überzeugend vermitteln kann und der bereit ist, auf die Menschen zu zugehen. Gleichzeitig erforderlich es von den Menschen in Deutschland und Europa ist es, dass sie bereit sind für Lösungen, die nicht immer einfach sein werden, die etwas schwieriger zu erklären sind. Ich denke aber, dass die Menschen durchaus dazu in der Lage sind, sofern jemand den Mut und die Geduld hat, ihnen die Zusammenhänge zu erklären – so zu erklären, dass sie es verstehen. Ich denke sogar, dass wir nicht nur ein recht auf Erklärungen haben, sondern dass durch vollständige Erklärungen auch bestimmte Probleme gelöst werden, weil eine Erklärung zur Einsicht führt – auch bei dem , der erklärt. Würde Josef Ackermann den Stellenabbau vollständig erklären müssen, würde wirklich ehrlich sein und alle Faktoren und Konsequenzen mit aufführen, so würde er wie viele andere Manager seine Position überdenken, den eine vollständige Erklärung umfasst auch die Berücksichtigung langfristiger Konsequenzen und erfordert vom Erklärenden absolute Ehrlichkeit.

Absolute Ehrlichkeit hieße aber, dass man zugibt, dass man in Deutschland das jetzige Preisniveau nicht kombinieren kann mit Löhnen aus Entwicklungsländern. Die Menschen brauchen Geld, um Produkte kaufen zu können. Gibt man ihnen weniger Geld oder entlässt man sie, dann können sie nur weniger Produkte kaufen – oder gar keine mehr. Dazu schadet auf lange Sicht allen. Ein vollständige Erklärung umfasst auch das über die eigene Lebenszeit hinaus denkenden. Der kleine Prinz würde an dieser Stelle sagen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren