Rosenmontag

Über die Jahre hinweg habe ich zum Karneval eine neutrale Haltung entwickelt. Weder dafür noch dagegen, halte ich mich einfach raus. Mittwochs ist dann eh alles vorbei. Die, die feiern, kann ich gut verstehen – aber auch die, die das Ganze hassen und meiden wie der Teufel das Weihwasser.

In meiner Kindheit und Jugend bin ich wie jeder andere Mensch im Rheinland (ja, auch der Niederrhein gehört noch dazu) karnevalistisch sozialisiert worden, ohne allerdings in die Extreme (organisierter Karneval) zu verfallen. Die Sendung im Fernsehen rund um die närrische Zeit gehört fest dazu. Zusammen mit meine Großeltern habe ich auch zahlreiche Büttenreden gesehen. Unschlagbar für mich war aber immer das Colonia-Duett. Verkleiden war zum Rosenmontagszug selbstverständlich wie der Besuch des selbigen.

In der Sturm- und Drangphase (nachpubertäre Wehen) setzte dann die gedankliche Gegenbewegung ein. Alles was auch nur nach Karneval roch, war verpönt. Das hielt sich über Jahre. In Bielefeld gab es auch keine Möglichkeit, sich langsam wieder an den rheinischen Karneval heranzutasten. So blieb dann nur die Distanz, die sich weiterhin zu halten scheint, durchbrochen von milden Moment, in dem man wehmütigen per Videostream eine Übertragung des Rosenmontagsumzuges aus Köln auf den Desktop holt.