31.

Beate, ohne und Weihnachten – Teil VIII

Seine Füße fanden von alleine den Weg in den Wald. Eine leichte Steigung führte weiter immer weiter hinauf. An einer verschneiten freien Fläche hielt er an. Im Sommer war das eine Auslaufwiese für Hunde und Kinder, aber bis dahin hatte er noch Zeit. Von hier oben hatte er einen sehr schönen Blick auf die erleuchtete Stadt unter ihm. Er lies sich in den Schnee fallen. Über ihm konnte er die Sterne sehen. Beate hatte ihn immer seltener bei seinem Namen genannt. Eigentlich hatte sie es immer vermieden, ihn direkt anzusprechen. In den letzten Monaten hatte eigentlich niemand seinen Namen ausgesprochen. Trotz der Kälte fühlte er sich nicht unwohl. Sein Kopf leerte sich angenehm. Vom Firmament aus beobachteten ihn die Sterne und flüsterten seinen Namen.

31.

Beate, ohne und Weihnachten – Teil VII

Er nahm die Straßenbahn bis zur Endhaltestelle. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es in der Straßenbahn schön warm war, er und er keinen Mantel anhatte. Letztendlich ließ es sich aber nicht vermeiden und so stieg er dann aus. Um diese Zeit waren nicht mehr ganz so viele Menschen mit der Straßenbahn untwerges, so dass er fast der Einzige war. Um sich ein wenig Hoffnung zu machen, schaute er auf den Fahrplan. Bis kurz nach Mitternacht würden noch Straßenbahnen in die Gegenrichtung fahren. Als er sich umdrehte, stieß er fast mit einer jungen Frau zusammen, die zusammen mit ihren Einkaufstaschen wohl auch in der gleichen Bahn gesessen haben musste. Er quälte sich zu einem kurzen Lächeln, murmelte eine Entschuldigung und entfernte sich von der Haltestelle, weg von den Lichtern hinein in die Dunkelheit.

30.

Beate, ohne und Weihnachten – Teil VI

Aus der etwas verklemmten Küchenschublade, die ihn an Beat in den ersten tagen ihrer Beziehung erinnerte, kramte er ein paar fast neue Batterien hervor. Sein Hoffnung, dass sie ins Radio passten erfüllte sich. Als ob es so sein sollte erwischte er beim Einschalten direkt einen Sender, der ein ihm bekanntes Lied spielte “Everythink I do…”. Genau das Falsche. Ein leichtes Zittern durchfuhr seinen Körper und er konnte seine Tränen gerade noch zurückhalten. Rastlos lief er durch die Wohnung, unfähig, das Radio wieder abzuschalten. Am liebsten würde er aus der Wohnung fliehen, nur weg vom Radio und diesem Lied. Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, war der Schlüssel auf der anderen Seite. Allerdings würde er nie mehr in Verlegenheit kommen, diesen Verlust zu betrauern.

28.

Beate, ohne und Weihnachten – Teil V

Weitere Stunden der Einsamkeit zogen herauf. Hörbar langsam sog er die Luft ein. Ein Geschmack von toter Zeit lag auf seiner Zunge. Bei all den zukünftigen Unsicherheiten war vermutlich nur eins sicher. Beate würde nicht zurück kommen. Nutzlos und überflüssig kam er sich vor. Gebracht und weggelegt wie eine alte Tageszeitung. Nachdem er seinen Job verloren und Beate eine gute bezahlte Stelle gefunden hatte, war er wohl in ihren Augen zu nutzlosem Ballast verkommen. Die Kollegen von Beate hatte er nie kennen gelernt. Wahrscheinlich aus gutem Grund. Wo sie jetzt genau war, konnte er nur vermuten. Die Einsamkeit sog ihn langsam auf wie ein schwarzes Loch. Im Treppenhaus hörte er, wie sich die fett geschminkte Weihnachtskugel mit einer Karikatur von Hund auf den Weg nach draußen machte, damit dass Vieh wieder die Gärten in der Nachbarschaft vollkacken konnte. Erst vor ein paar Monaten sie in die Wohnung gegenüber eingezogen. Von ein paar Begegnungen auf dem Flur wusste er, das der Köter Diabetes hatte. Tröstlich erschien ihm für einen kurzen Moment der Gedanke, dass der Hund es wohl wittern würde, wenn er so langsam in seiner Wohnung verwesen würde. Um von seinen Gedanken nicht noch weiter in die Tiefe gezogen zu werden, brauchte er unbedingt eine Ablenkung. Die Idee, aus dem Telefonbuch wahllos Nummern anzurufen, verwarf er nach längerer Überlegung wieder.

28.

Neues bitEvolution Update

Nach längerer Pause gibt es wieder mal ein Update (was ich auch selber dringend in meinem Blohg einarbeiten muss). Neben kleineren Verbesserungen wird jetzt auch das Problem mit den Dateirechten behoben. Damit können über bitEvolution hochgeladene Dateien jetzt ohne Problem per FTP gesichert werden. Zudem gibt es damit dann bei einigen Providern keine Schwierigkeiten bei der Darstellung von hochgeladenen Bildern.

Noch kurz ein Satz zur Weihnachtsgeschichte: Die wird natürlich heute und in den nächsten Tagen noch fortgeführt.

27.

Beate, ohne und Weihnachten – Teil IV

Zurück im Wohnzimmer warf er wieder ein Blick nach draußen. Langsam wurde es dunkel. Im Haus gegenüber ging die Weihnachtsbeleuchtung an. Zumindest davon würde er in ein paar Tagen erlöst sein. Wie gerne hätte er mit einem der an den Häusern hängenden Weihnachtsmännern getauscht. Staat das einer von ihnen mal abgestürzt wäre, war er abgestürzt. Wie gerne würde er an ihrer Stelle an einer Hauswand hängen. Zurückbringen würde das Beate allerdings nicht. Dabei ist sie einmal tatsächlich noch zurückgekommen. Aber nur, weil nicht alles auf einmal in den Wagen reingepasst hatte. Mittlerweile war es in der Wohnung schon so dunkel geworden, dass er nichts mehr sehen konnte. Über die leeren Flaschen würde er trotzdem nicht stolpern, da er sie schon vor ein paar Stunden aus dem Fenster geworfen hatte. Bisher hatte sich noch niemand beschwert. Sein Versuch, zumindest etwas Zuwendung zu bekommen, schien gescheitert zu sein.

26.

Beate, ohne und Weihnachten – Teil III

Kälte zog vom Fußboden hoch. Die Nachbarn unter ihm war über die Feiertage nach Österreich zum Skiurlaub gefahren. Ihm war das genauso egal, wie ihm mitlerweile alles egal geworden war. Im Flur stand noch ihr altes Paar Hausschuhe. Das hatte sie wohl vergessen. Oder absichtlich zurückgelassen, da es nutzlos geworden war und zusätzlich mal ein Weihnachtsgeschenk von ihm an sie gewesen war. Mit einem Ruck stand er vom Sofa auf, ging in den Flur und war versucht, das alte Paar Schuhe in den Müll zu werfen. Stattdessen ging er zum Telefon und zog den Stecker raus. Rasch ließ er einen Blick über die Post wandern. Rechnungen sowie eine Weihnachtskarte eines Versandhauses. Immerhin, jemand hatte an ihn gedacht. Besser als gar keine Weihnachtspost. Das Einpacken von Geschenken würde diese Jahr wohl nicht notwendig sein. Überhaupt wäre es vielleicht sogar möglich, dass es für ihn diesmal sehr ruhige Feiertage werden würden. Kein Plätzchen, keine Besuche, schlafen, solang er wollte. Wenn er nur schlafen könnte. Dabei war er völlig müde. Die Tür zum Schlafzimmer war nur angelehnt, dass Bett jedoch im Gegensatz zum Rest der Wohnung im tadellosen Zustand. Seit Tagen schon nicht mehr angerührt. An der Schwelle zur Tür machte er abrupt halt. Ihr Duft hing noch im Raum. Er wagte nicht zu lüften, da der Geruch etwas tröstliches versprach, jedoch nicht halten konnte. Sie blieb einfach weg. Der Anblick des leeren Betts verursachte ein beklemmendes Gefühl in der Magengrube. Vorsichtig zog er die Tür ganz zu.

25.

Beate, ohne und Weihnachten – Teil II

Die Wohnung wirkte so kahl und kalt ohne sie. Eigentlich sollte er sich jetzt eine Tee kochen, um sich ein wenig aufzuwärmen und auf andere Gedanken zu kommen. Der letzte Teebeutel lag immer noch im Spülbecken. Neue hatte er nicht gekauft. Loser Tee war im zu kompliziert. Beate hatte im Schrank immer sehr viele Sorten gehabt und hatte sie mit viel Liebe zubereitet. Liebe, die sie ihm in den letzten Tagen vor ihrem Verschwinden schon längst nicht mehr entgegen gebracht hatte. Er ließ sich aufs Sofa fallen und blätterte ziellos in der Fernsehzeitung, die achtlos auf dem Boden lag. Wenn der Fernseher noch da gewesen wäre, hätte er zumindest ein wenig Ablenkung gehabt. Statt dessen konnte er nur auf die kahle Stelle starren, die zurück geblieben war. Ein Gesicht tauchte an der kahlen Stelle auf. Ihr Gesicht. Nur ein Blinzen mit den Augen und es würde wieder verschwinden. Zu spät. Ihr Gesicht verschwand wieder.

24.

Beate, ohne und Weihnachten – Teil I

Zwischendurch schaute er noch mal aus dem Fenster, aber die Parklücke hatte sich nicht verändert. Ihr Auto war noch immer nicht zurückgekehrt. Unentschlossen ließ er seinen Blick weiter nach draussen schweifen. Der erste Schnee hatte sich wieder in Regen und Matsch verwandelt. Ein etwas entstellter Schneemann blickt mit einem schiefen Grinsen zu ihm hoch – zumindest bildet er sich das für einen kurzen Moment ein. Auf dem Bürgersteig hetzten vereinzelt Nachbarn mit Taschen nach Hause, endlich glücklich, die letzten Weihnachtseinkäufe erledigt zu haben und noch in unschuldiger Unwissenheit auf bevorstehende Dramen, die sich über Weihnachten in ihrer Familie abspielen werden.

24.

Ein wenig Zeit erkaufen

Da es letztes Jahr so wundbar war, ein paar Tage nichts schreiben zu müssen und trotzdem den Blog zu füllen, habe ich mich auch für dieses Jahr dazu entschlossen, eine Fortsetzungsgeschichte in Netz zu stellen. Viel Spaß beim lesen und ein Frohes Weihnachtsfest allen Leser – wobei ich immer noch nicht weiß, wie es am vergangenen Sonntag zu mehr als 60 Besuchern gekommen ist.